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Offener Brief an den Mann, dem ich zu viele Lügen erzählte

Im Leben trifft man manchmal auf  Menschen, die einfach zur richtigen Zeit am falschen Ort sind. Diese Menschen können ganz großartig sein und doch passen sie einfach nicht zu einem. Manchmal merkt man das aber leider erst zu spät 

Als ich heute Morgen in der U-Bahn saß, mich hinter einer Zeitung versteckte und so tat, als würde ich lesen, dabei aber die Menschen beobachtete und belauschte, sah ich auch sie. Einen Ihn mit seiner Sie. Oder eine Sie mit ihrem Ihm.

Sie beide schienen frisch verliebt zu sein. So frisch, dass er noch jeden ihrer Blicke verfolgte, seine Hand nicht von ihrem Schenkel wich und er ihr alle vier Sekunden durchs Haar schnupperte, in ihr Ohr flüsterte oder ihr einen feuchten Kuss auf die Nasenspitze drückte. Sie schienen noch so frisch verliebt zu sein, dass sie seinen Arm kaum losließ, gar nicht aufhörte, ihm zu sagen wie gut er denn rieche und zu fragen an was er jetzt denke. Und jetzt. Und jetzt. Und könnten Blicke töten, dann wäre sie eine Serienmörderin gewesen, die alle Frauen des Abteils tötet, die ihrem Liebsten auch nur einen einzigen Blick zuwarfen. Darunter wäre dann auch ich gewesen.

„Was dann wohl in meiner Anzeige stehen würde?“, grübelte ich. „18-jährige Studentin aus Hamburg wurde zum Opfer einer eifersüchtigen frisch Verliebten?“ Ich musste grinsen. Und musste ihn gleich ein zweites Mal angucken. Er sah aus wie du. Und sie sah irgendwie aus wie ich. Zusammen sahen sie sogar ein bisschen aus wie du und ich. Nur, dass sie eben zusammen dort drüben auf der Bank saßen, eng umschlungen und frisch verliebt und du und ich − entfernt von einander uns befinden − nicht mehr so eng umschlungen und frisch verliebt. Aber das ist ok. Vollkommen ok. Es ist sogar besser.

Ich habe noch nie über dich geschrieben. Dabei würde deine und meine Geschichte die Menschen viel mehr interessieren. Ich weiß, dass ich mit deiner und meiner Geschichte einen Roman schreiben könnte. Vielleicht einen Bestseller. Aber ich wusste nie wie. Dafür habe ich aber schon viel über dich nachgedacht, sogar an dich gedacht. Manchmal jedenfalls. Manchmal auch zu oft. Und eigentlich wollte ich dir schon viel früher schreiben. Ich wollte schon viel früher über das du und das ich schreiben. Ich wollte es dir schon viel früher sagen. Aber ich habe mich nie getraut. Denn eigentlich war ich immer ganz anders. Ich wollte es dir nur nicht sagen.

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Über den Autor/die Autorin

Mona Kühlewind

Wenn es eine Sache gibt, der sich die Journalismus-Studentin und Bloggerin Mona Kühlewind sicher ist, dann ist es der Glaube an die eine, ganz große Liebe. Bis sie die aber gefunden hat, steckt sie erstmal jede Menge Liebe in das Schreiben, Reisen und ihren kleinen Hund Rosa.