Zum Scheiden braucht es immer zwei

Ein Partner will sich trennen, der andere will das auf gar keinen Fall. Julia Malz über Schlussmachversuche, die scheitern

Es gibt so viele Dinge, zu denen immer zwei gehören. Ein Dialog wird zum Monolog, wenn nur einer redet. Auch Freude verdoppelt sich im Zweierpack nur dann, wenn das Vergnügen nicht einseitig gelagert ist, sondern gleichermaßen als vergnügenswert empfunden wird.

Das Prinzip der beidseitigen Beteiligung an einem Akt und dessen Gelingen gilt auch für die leidvoll graue Zone des Schlussmachens.

Einer von beiden will sich trennen. Er oder sie hat die Nase voll von dem, was bisher geschah. Die Perspektive auf eine gemeinsame Zukunft ist bis zur Unkenntlichkeit vernebelt und verregnet. Vielleicht leuchtet auch ein neuer verheißungsvoller Stern am Himmel desjenigen, der sich trennen will. Dies versucht man nun mehr oder weniger takt- und klangvoll seinem ehemaligen Gegenüber zu erklären.

Als derjenige, der sich trennen will, rechnet man mit vielem: Tränenmeere, wüste Beschimpfungen, fliegendes Geschirr. Vielleicht sieht man sich auch mit einer verstörend stoischen Akzeptanz konfrontiert. Aber es gibt auch noch das seltene, doch durchaus infrage kommende Szenario ‚Nö‘: Der andere verweigert sich. Lässt die Trennung nicht an sich heran und dementsprechend auch nicht zu. Frei nach dem Gebaren eines Kleinkindes, das sich die Augen zuhält, um nicht gesehen zu werden, lässt der oder die Verschmähte die Schmach einfach nicht an sich heran.

Nun liegt es in der Verantwortung des Schlussmachenden, Konsequenz und Kante in der eigenen Entscheidung zu zeigen. Dies geht natürlich nur, wenn man selbst von den persönlichen Gründen des Scheidens überzeugt ist. Steht einem eventuell das eigene Gewissen im Weg, weil man sich halbherzig aus der Affäre, respektive Liebe ziehen will? Hat man klar genug kommuniziert, was es an Gründen anzuführen gab?

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