Wie ihr als Paar über wichtige Lebensentscheidungen sprechen könnt

Auf jede Beziehung wirken Veränderungen ein, von innen und außen. Wie geht ihr mit denen um, die euer ganzes Leben umkrempeln und auf den Kopf stellen? Eine Übung aus der Paartherapie für die ganz wichtigen Entscheidungen im Leben.

Die alltäglichen Konflikte über Aufgabenteilung, Finanzen, Erziehung und gemeinsame Zeit löst ihr gleichberechtigt und lässig? Dann seid ihr gut aufgestellt für die ganz großen Themen und Veränderungen – oder etwa nicht?

Ein Partner will auswandern oder nur noch minimalistisch leben und allen Besitz wegwerfen, ein Partner statt Familiengründung noch zehn Jahre Karriere machen, ein Elternteil benötigt Pflege und soll beim Paar einziehen … Es gibt bei Paaren wichtige Lebensentscheidungen, die alles umwerfen. Wie finden Partner nun eine gemeinsame Entscheidung, die beide tragen können für viele Jahre, vielleicht sogar für den Rest ihres Lebens?

Sei doch bitte meiner Meinung!

Zu mir in die Paartherapie kommen häufig Paare, die sich in solchen Fällen nicht einigen können und Unterstützung suchen. Da gibt es welche, bei denen erhofft sich ein Partner, dass ich den anderen überzeuge oder wenigstens dabei helfe, ihn zu überzeugen. Und dann gibt es Paare, die sind von der Tragweite einer wichtigen Lebensentscheidung, die vor ihnen liegt, so eingeschüchtert, dass sie aus Furcht etwas falsch zu machen, argumentativ ergebnislose Runden drehen. Immer wieder.

Beim Beispiel des ersten Paares geht es meist in erster Linie um den emotionalen Part. Der eigentliche Konflikt ist der Gedanke oder die geheime Überzeugung: „Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann wärst du doch meiner Meinung!“ Hier wird die unterschiedliche Haltung als Bedrohung wahrgenommen. Die Situation wirft die Frage auf: „Bin ich mit der richtigen Person zusammen, wenn die so ganz anders entscheiden würde als ich? Müssten wir nicht in diesem Punkt an einem Strang ziehen?“ Die Hoffnung ist groß, dass der Paartherapeut den Kniff kennt, mit dem sich der Partner überzeugen lässt und dann ist alles wieder gut.

Beim zweiten Paar wurde schon sehr lange auf der Sachebene gesprochen. Da wurden Argumente noch und nöcher ausgetauscht. Studienergebnisse, Expertenmeinungen, Beispiele aus dem sozialen Umfeld. Die Partner kommen nicht weiter und nicht selten laufen sie irgendwann im wörtlichen Sinne schreiend im Kreis. Die Furcht ist gewaltig, etwas übersehen zu haben. Dieses eine Argument, das alle Zweifel beseitigt. Die einzig logische Konsequenz, die den positiven Ausgang des Vorhabens garantiert.

In erster Linie geht es bei Lebensentscheidungen um Emotionen

In allen Beziehungen stehen die Emotionen im Vordergrund. Es ist nie die Zahnpastatube, es sind nie die nicht aufgeräumten Socken. Es ist das, was es mit dem Partner macht, der den Eindruck hat, hinterherputzen zu müssen. Die Frage nach dem Respekt, danach, ob der andere überhaupt wahrnimmt, dass man selber Wünsche und Bedürfnisse hat und nicht nur gedankenlos oder egoistisch die eigenen Belange über die des anderen stellt.

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