Was es bedeutet, wirklich für jemanden da zu sein

Manche Dinge kann man alleine nicht lösen, dann brauchen wir unseren Partner, unsere Freunde, jemanden, der uns unterstützt und hilft. Aber was dürfen wir uns erhoffen? Natalie Prinz über erfüllbare Erwartungen

„Wenn was ist – ich bin für Dich da!“ Irgendjemand hier, der den Satz nicht schon mindestens einmal gesagt oder gehört hat? Ich unterstelle jedem Menschen, dem die Worte so oder ähnlich über die Lippen gekommen sind, die besten Absichten. Der Empfänger dieses mitfühlenden Angebots wird dankbar gewesen sein. Nur leider ist es um einiges schwerer, dann auch tatsächlich für den Adressaten da zu sein, wenn es darauf ankommt. Sei es für den Lebenspartner, einen guten Freund oder Familienmitglieder. Und zwar egal ob in guten oder schlechten Zeiten.

Beziehungen in guten Zeiten sind einfach

In guten Zeiten für jemanden da sein? Schmeißt man in guten Zeiten nicht gemeinsam das Konfetti in die Luft und stößt mit bunten Cocktails auf das leichte Leben an? Oder gleitet zumindest durch einen störungsfreien Alltag? Sicher. Aber da zwei Leben nicht synchron verlaufen, kommt es schon mal vor, dass einer unserer Liebsten in eine Situation gerät, in der er unsere Unterstützung braucht. Sei es praktischer oder moralischer Natur. Einen Menschen zu unterstützen, völlig wertfrei und unvoreingenommen – dass ist der Kern von ‚für jemanden da sein‘. Es gilt das eigene Ego zu zügeln. Und genau das macht es manchmal so schwer.

Eine meiner besten Freundinnen zum Beispiel, hatte sich vor ein paar Monaten auf ihren Traumjob beworben. Die Anforderungen waren hoch, Konkurrentinnen zahlreich, die Besetzung ein Politikum. Sie wollte die perfekte Bewerbungsmappe erstellen, hat sogar einen Grafiker für das Layout bezahlt. Sie wollte den Job also un-be-dingt! Es war das alles bestimmende Thema des letzten Sommers. Treffen um Treffen. Meine eigenen Gesprächsbeiträge gingen rechts rein und links raus. Aber das war egal. Zuhören, geduldig sein, sich selbst zurücknehmen, oder mit einem Songtitel ausgedrückt: „That’s what friends are for“.

Es fällt schwer, für den Anderen das eigene Ego zurücknehmen

Im Lauf der Wochen bat mich meine Freundin darum, sie auf eine Veranstaltung zu begleiten, auf der ein paar Entscheider den Job betreffend anwesend sein sollten. Sie wollte ‚Flagge zeigen’. Ich hielt das nicht für die beste Idee. Hätte ich bloß nichts gesagt, denn es hat meine Freundin in dem Moment stark verunsichert. Das war so ziemlich das Letzte, was sie gebrauchen konnte.


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