Warum ich nicht mehr sagen werde: “Mach, wie du meinst!”

In wenigen Worten steckt viel Potenzial für Missverständnisse und abenteuerliche Interpretationen. Über die manchmal schwierige Kommunikation in Beziehungen

Es gibt einige Sätze, die von der eigentlichen Aussage her freundlich klingen, aber überhaupt nicht charmant gemeint sind, wenn man sie hinterfragt. „Ich dich auch, Schatz“ mag die Erwiderung auf „Ich liebe dich“ sein, könnte aber ebenso nach „Die Spülmaschine müsste geleert werden“ ein rustikales „Du mich auch“ bedeuten. Oder „Ja, ja.“ Zunächst auf der Sachebene positiv und zustimmend, gleich zwei Mal. Auf der Beziehungsebene ist allerdings ebenso die Interpretation „Du kannst mich mal, aber ich mache es“, möglich.

Ich ertappe mich immer wieder dabei, mit „Mach, wie du meinst“ ein Thema zu beenden. Das bedeutet so viel wie „Ich würde einen anderen Weg empfehlen, aber du willst ja deinen gehen.“ Beruflich bin ich gewohnt, dass Menschen meinen Rat suchen. Zuhause vergesse ich dann auch mal, dass ich gar kein Mandat erhalten habe, einen Lösungsweg aufzuzeigen, sondern einfach nur zuhören soll, da sein, die Schulter zum Anlehnen anbieten und ruhig – und vor allem still – den Ehepartner in den Arm nehmen.

So schwingt in „Mach, wie du meinst“ ganz sicher auch etwas gekränkter Stolz mit. Der Gedanke dahinter lautet: „Wozu habe ich mir jetzt die Zeit genommen? Nur damit du doch auf deiner Haltung beharrst?“ Dabei ist genau das völlig falsch. Ja, ich habe mir Zeit genommen, aber habe ich genau zugehört, wofür eigentlich? Nö. Da spulte ich nämlich bereits mein Repertoire ab: Perspektivwechsel, alternative Lösungswege … bis hin zur NLP-Übung. Ich komme mir dabei super großartig unterstützend vor – dabei nerve ich wahrscheinlich viel mehr, als ich tatsächlich helfe.

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