Vergebungssucher lieben länger

Das Ritual zum Üben

Der Beitrag “In 4 Schritten entschärfen Sie Beziehungskrach” erläutert das hawaiianische Vergebungsritual anschaulich. Die Kurzanleitung: Ziehen Sie sich für ein Zwiegespräch mit sich selbst zurück. Gehen Sie davon aus, dass alles irgendwie von Ihnen mitverursacht wird – auch Beziehungsprobleme oder Missstimmungen, denen Sie sich gerade ausgesetzt sehen. Stellen Sie sich nun Ihren Partner vor und sagen Sie laut in vier Schritten: Ich liebe Dich (trotzdem). Es tut mir leid. Vergib mir. Ich danke Dir. Das ist ungewohnt in Ihrer Situation, vielleicht empfinden Sie Widerstand – aber, hey, Ihr Partner ist ja nicht anwesend, also was soll’s? Lassen Sie die einzelne Botschaft jeweils auf sich wirken. Und sammeln Sie dabei innerlich Belege, warum Sie gerade diese Aussage wirklich unterschreiben könnten. Alle Sätze können Sie auch gleichzeitig an sich selbst richten. Es geht nämlich nicht darum, sich zu verdammen. Es geht darum, den Kreislauf von Schuldzuweisung und Abwehr aufzulösen und zu einer wohlwollenden Haltung zurückzufinden.

Großzügigkeit

Was machen Paare, die zusammen bleiben (und dabei glücklich sind), anders als die anderen? Aus mittlerweile unzähligen wissenschaftlichen Studien wissen wir: „Erfolgreiche“ Paare kommunizieren anders. Mehr noch, die Partner nehmen aneinander eine bestimmte Kommunikationshaltung wahr, die auch dann positiv wirkt, wenn es mal „ans Eingemachte“ geht. Ein wesentliches Merkmal dieser Haltung ist Großzügigkeit. Das bedeutet nicht etwa, alles stillschweigend hinzunehmen, was einem nicht gefällt. Es bedeutet in erster Linie, immer wieder deutlich zu machen: Ich liebe und respektiere Dich trotz der Dinge, die mir nicht gefallen. Orientieren wir uns entlang dieser Haltung, werden wir weniger harsche Kritik üben, verächtliche Bemerkungen machen oder mauern (all dieses Verhalten zeigen Paare mit hohem Trennungsrisiko). Es fällt uns leichter, manche Dinge mit Humor zu nehmen und damit Situationen zu entschärfen. „Ich liebe Dich“ aus dem Vergebungsritual trainiert also unsere Großzügigkeit.

Verantwortung statt Rechtfertigung

Rechtfertigung hat sich als Gift für eine gute partnerschaftliche Kommunikation herausgestellt. Schade eigentlich, schließlich kennen wir alle diese Form von automatischer Abwehr, wenn man unter Beschuss steht: Wir fühlen uns angegriffen, deshalb reagieren wir empört, schießen zurück oder bringen die widrigen Umstände ins Spiel. Kurzfristig fühlen wir uns damit zwar wohler, der entscheidende Nachteil aber ist: Rechtfertigung beendet einen Konflikt nicht. Nie. Wenn wir Glück haben, resigniert unser Partner irgendwann. Aber auch das hält die Sache unterschwellig am Laufen. Aus dieser Nummer stetig wachsender Spannung kommt laut Beziehungsforschung nur heraus, wer Verantwortung für einen Teil des Problems übernimmt. Wie man das macht? Seinen Anteil benennen („Ich sehe, ich habe XY getan/unterlassen). Und: „Es tut mir leid!“ Das zu sagen fällt vielen Menschen unheimlich schwer. Schritt 2 im Vergebungsritual ist ein prima Training!

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