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Telefon-Quickie mit dem Partner: Sprecht miteinander!

Man sieht sie überall, in der Bahn, auf der Straße: Menschen mit ihrem Smartphone, wild drauf los tippend. Sicher verbessert ständiger textlicher Austausch Beziehungen und stabilisiert die Bindung, aber die Gefahr besteht, dass wir verlernen den realen Partner zu beachten und ihm ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken

Wir digitalisieren unsere Partnerschaft 

Bei Paaren, die in die Beratung kommen, leiden die Partner meist unter einem Konflikt, der sie befürchten lässt, dass sie ihre Bindung verlieren. Die Angst vor Zurückweisung und vor Distanz sorgt dabei für individuelle Schutzstrategien. Beispielsweise kann Harmoniesucht aus Konfliktvermeidung entstehen. Manche Paare lösen Konflikte nicht mehr im Gespräch, sondern suchen eine Auseinandersetzung ausschließlich virtuell durch Texten. Sie schützen sich dadurch – und gleichzeitig erhöhen sie die Distanz. Obwohl sie ja gerade fürchten, sich nicht mehr nahe zu sein. 

Das führt zu der skurrilen Situation, dass unsere Smartphones kaum noch genutzt werden zum Telefonieren, sondern vorzugsweise zum Texten. Diese schädliche Dynamik entsteht häufig bereits in der Kennenlernphase. Dating-Apps laden dazu ein, einander Textnachrichten zu schicken. Klar, das ist praktisch, denn wir können dadurch unsere Zeit besser einteilen. Wir müssen nicht im Großraumbüro sprechen und Sorge tragen, dass die Kollegen jedes Wort mitbekommen. Aber Hand aufs Herz: Ist der Grund fürs Texten gerade mit einem neuen Kontakt nicht vor allem, dass wir uns dadurch sicherer fühlen?

Texten als Ausdruck unseres Wunsches nach Sicherheit

Jeder hat sich bereits nach einem Gespräch gedacht: Hätte ich nur dieses oder jenes gesagt! Hätte ich mich nur verständlicher ausgedrückt! Im Nachhinein fallen vielen Menschen die klügeren Antworten ein und sie wünschen sich, sie hätten mehr Zeit gehabt sich die passenden Worte zurechtzulegen. Das spricht natürlich fürs Texten. Da darf ein Zweizeiler auch schon mal eine Minute Überlegung beanspruchen. Im Telefonat fühlen sich wenig spontane und wortgewandte Menschen häufig hilflos – und das macht fast immer fehleranfällig. 

Es liegt nahe, Textnachrichten zu versenden, und grundsätzlich sind diese ja eine großartige Erfindung. Auch für Partner, um sich rasch zu zeigen: Ich denke an dich in diesem Moment! Aber: im Gespräch geht es um mehr als die richtigen Worte. Mimik, Gestik, Körpersprache – all dies macht mehr als 90 Prozent unseres Eindruckes aus. Wir verstehen und ordnen das Gesagte ein durch das, was wir wahrnehmen durch alle Sinne, nicht nur die Ohren. Der Anteil der eigentlichen gesprochenen Sätze liegt unter 10 Prozent.

Was alles vermitteln wir in unseren Gesprächen?

Das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun beschreibt eine Nachricht bestehend aus vier Teilen:

  • Sachinhalt: Worum geht es in der Sache. Wie ist der Sachverhalt zu verstehen?
  • Selbstoffenbarung: Was sagt der Sender über sich? Was ist das für jemand?
  • Beziehung: Was hält mein Partner von mir? Wie redet er mit mir?
  • Appell: Was soll ich nun tun? Was soll ich denken, was soll ich fühlen?

All diese Botschaften lassen sich über eine Textnachricht natürlich transportieren – aber irgendwie scheint es weniger eindeutig zu sein als im persönlichen Gespräch. Wer hat nicht bereits stundenlang über die Botschaft einer Textnachricht gegrübelt?

  • Warum hat er erst jetzt geantwortet?
  • Warum ist die Begrüßung/Verabschiedung anders als sonst?
  • Welche Informationen wurden (bewusst) weggelassen?
  • Weshalb ist er nicht auf meine Frage eingegangen?
  • Weshalb ist die Textnachricht plötzlich so kurz gehalten?

Selbstverständlich könnten die Partner sich gegenseitig diese Fragen stellen – aber kaum jemand macht das. Hier spielt selbstverständlich eine große Furcht vor Zurückweisung mit. Doch das ist die Vogel Strauß-Taktik: lieber den Kopf in den Sand stecken und so tun als sei keine Gefahr zu sehen, statt sich offensiv der Auseinandersetzung stellen – und damit die Chance auf eine Lösung des Konflikts oder eine Klärung der Situation verschenken.

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Über den Autor/die Autorin

Eric Hegmann

Liebe macht glücklich. Unser CLO (Chief Love Officer) verantwortet die redaktionellen Inhalte von beziehungsweise. Eric Hegmann ist Autor zahlreicher Bücher rund um Partnerschaft und Partnersuche und berät Singles und Paare. Arbeitsschwerpunkte: Bindungsangst und Verlustangst ( Beziehung mit Narzissten , emotionale Abhängigkeit), Beziehungsunfähigkeit , Warnsignale Beziehung: Gehen oder bleiben? und bietet zu diesen Themen zahlreiche Online-Kurse an. Außerdem ist er in der neuen Dating-Show "Nächste Ausfahrt Liebe" zu sehen. Der Wahlhamburger ist verheiratet und lebt und arbeitet seit 25 Jahren neben der berühmtesten "Liebes-Meile" der Welt: der Reeperbahn.