Der Feind in meinem Bett: Verliebt in einen Mann, der das Leben vergiftet

Meine beste Freundin hat mich gewarnt

„Meine Eltern haben sich gefreut für mich, klar, sie hätten lieber einen erfolgreichen Mann für mich gehabt, aber sie sind liberal, sie haben nichts dagegen, dass die Frau verdient und der Mann sich um Kinder und Haushalt kümmert. Für sie zählt nur mein Glück. Mein Vater hat allerdings schon verlauten lassen, dass das aus seiner Sicht alles doch etwas früh kommt. Meine Freundinnen haben keinen Hehl daraus gemacht, dass sie Dominik zwar nett, aber zu voreilig finden. Die fanden es schön, dass Dominik so liebevoll mit mir umgeht, aber vor allem meine beste Freundin Kerstin hat mich gewarnt. Als ich ihr vorschwärmte, dass Dominik mir jeden Morgen Frühstück macht und jeden Abend Abendessen und ein Bad einlässt und mich von Kopf bis Fuß verwöhnt, mir jeden Wunsch von den Augen abliest, mir auch großzügige Geschenke macht, obwohl er nicht viel Geld hat und mir 10 Mal am Tag sagt, dass er mich liebt, da meinte Kerstin nachdenklich: ‘Ist Dir das alles nicht zu viel?’ Das höre sich für sie klebrig an, als klebe dieser Mensch an mir dran und ließe mir kaum noch Luft zum Atmen. Ich kenne Kerstin seit meiner Kindheit, wir sind ein Herz und eine Seele, wir streiten uns nie. In diesem Augenblick, wo sie das gesagt hat, bin ich laut geworden und habe zu Kerstin gesagt, dass sie wohl neidisch sei auf die Innigkeit und Nähe in meiner Beziehung. Kerstin ist Single. Kerstin war mir nicht böse, sie schaute mich ernst und gutmütig an und sagte: „Christina, Du verwechselst da was, Du bringst Liebe und Abhängigkeit durcheinander. Ich bin für Dich da, wenn Du mich brauchst, und ich fürchte, Du wirst mich brauchen.“ Kerstins Stimme klingt in Christina nach, sie gibt es aber nicht vor sich selbst zu, erst als die Stimme lauter und lauter wird, schenkt sie ihr Gehör.

„Ich hatte zu der Zeit in der Agentur viele Konflikte mit einer Kollegin auszuhalten,“ erzählt Christina, „ich stand kurz vor einem Karrieresprung, und die Kollegin wollte gern die Stelle haben, die unsere Chefin für mich vorgesehen hatte. Die Kollegin hat Intrigen gegen mich gesponnen, mir ging es seelisch nicht gut. Dominik hat mich getröstet und mir Mut zugesprochen, aber der Tenor war mehr oder weniger, dass ich für diese Art von Tätigkeit nicht hart genug sei, ich sei so weich, und das sei das Beste an mir, ich möge mir doch etwas suchen, das mich nicht derart beansprucht. Ich fühlte und fühle mich in der Agentur aber pudelwohl, das ist genau mein Ding, trotz allen Kummers wusste ich, dass der Ärger mit der Kollegin temporär sein würde, eine Durststrecke, die ich überwinden würde, das mit der Unterstützung von Dominik. Der hat allerdings versucht, mir einzureden, dass ich überhaupt keine Karriere machen solle, das sei einfach zu viel für meine arme kleine Seele. Das hat mich echt stutzig gemacht, ich kam mir manipuliert vor. Immer wenn ich schlecht schlief sagte Dominik, siehst Du, Liebes, Du musst mit dieser Arbeit aufhören. Er bot mir sogar an, mit meiner Chefin zu sprechen, wenn ich mich nicht trauen würde, zu kündigen. Ich war im Begriff, an die Decke zu gehen, doch dann tauchte der Gedanke auf, ach, der Dominik, der meint es einfach gut mit Dir. Das hat er mir auch ständig gebetsmühlenartig versichert, dass er es gut mit mir meint. Ich war auf der einen Seite glücklich, hatte ich mich doch nach einer starken Bindung gesehnt, aber ich merkte, wie in mir Selbstzweifel wuchsen. Das kann doch nicht der Sinn von Liebe und Nähe sein, dass Du als autonome Persönlichkeit verschwindest, habe ich mir dann mehr und mehr eingestanden. Ich empfand Dominik immer häufiger als übergriffig.“

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