Billige Rache: Warum ich mit Nacktbildern vorsichtig bin

Wer liebt, vertraut oft bedingungslos. Etliche Fälle von „Revenge Porn“ zeigen jedoch, wie schnell einem diese Leichtfertigkeit zum Verhängnis werden kann

Einvernehmliche Gespräche, ein sauberer Schnitt oder gar so etwas wie Freundschaft: Eine Partnerschaft erwachsen und respektvoll zu beenden, ist große Kunst. Tatsächlich sieht die Realität häufig schmutziger aus. Sogar bei jenen Paaren, denen man alles zugetraut hätte, aber sicher keinen postpubertären Rosenkrieg.

Insbesondere für den Verlassenen rüttelt die Trennung oftmals alles durcheinander – seine Gefühle, sein aktuelles Leben, sämtliche Zukunftspläne. Manchmal legen sich die Streitigkeiten mit der Zeit von ganz allein, manchmal gewinnen Wut und Rachegelüste nach dem Aus aber auch die Oberhand und verdrängen jede Vernunft. Richtig mies wird es dann, wenn einer dem anderen aus Verzweiflung, verletztem Stolz oder purer Böswilligkeit nachhaltig das Leben zur Hölle macht. Indem er privat und beruflich seinen Ruf zerstört, ihn bloßstellt. Indem er Lügen verbreitet. Oder eben Nacktbilder. So, wie es eine meiner engsten Freundinnen um ein Haar erleiden musste.

Wenn der Ex mit Rache droht

Der sogenannte „Revenge Porn“ ist im digitalen Zeitalter leider keine Seltenheit mehr. Während manche Männer (ja, tatsächlich) gern ungefragt Genitalfotos über soziale Medien verschicken und auch noch stolz darauf sind, hört und liest man auch immer wieder ganz andere Gruselgeschichten über Nacktbilder im Netz. Geschichten von meist weiblichen Personen, die ihre entblößten Körper unfreiwillig online wiederfinden. Anzügliches Bild- und Videomaterial, veröffentlicht von frustrierten Ex-Partnern, das niemals für ein fremdes Augenpaar bestimmt war – oder schlimmstenfalls sogar ohne Einwilligung aufgenommen wurde. Eine Erniedrigung sondergleichen, die eigentlich niemand mit gesundem Menschenverstand in Erwägung ziehen kann. Und für die es keine Rechtfertigung gibt. Zum Glück enden Fälle wie diese heute meist mit polizeilicher Ahndung, Geld- und Freiheitsstrafen.

Wie konnte ich diesen Menschen lieben?

Wer sich nach dem Beziehungsende nicht anders zu helfen weiß als so, ist wirklich eine ziemlich arme Wurst. Aber eine Wurst immerhin, mit der man kürzlich noch ein Herz und ein Bett geteilt hat. Wie also kann man sich in einem Menschen so tiefgreifend täuschen? Was führt dazu, dass jemand, dem man eben noch blind vertrauen konnte, so respektlos, verletzend und niederträchtig agiert?

Diese Fragen stellte auch meine Freundin – mir, sich selbst und ihrem Ex. Beantworten konnte sie ihr bis heute keiner. „Ich begreife einfach nicht, dass ich mich so in ihm getäuscht habe“, sagte sie. Ein paar Stunden zuvor hatte ihr Ex-Freund ihr drei Fotos und ein Video geschickt, von deren Existenz sie zwar wusste, die sie aber über die Zeit vollkommen vergessen hatte. Umso größer der Schockmoment, als sie begriff. Sie hatte ihn verlassen, ihm wehgetan. Und nun sollte es ihr noch schlechter ergehen.

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