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Ich habe mich für mein Kind und gegen eine Abtreibung entschieden

Und dann habe ich mich entschieden

Ich habe mich nicht für dieses kleine Etwas entschieden, ich habe mich viel mehr gegen eine Abtreibung entschieden. Das ist ein großer Unterschied, auch wenn es auf dasselbe hinausläuft. Natürlich habe ich eine Heidenangst gehabt, aber du würdest ja da sein und wir würden das gemeinsam durchstehen. Du warst mein Anker. Und dann teilte ich dir meine Entscheidung mit. Und du warst wie ausgewechselt. Du hast dich buchstäblich von mir abgewandt und gesagt, das sei ja meine Entscheidung für mein Leben. Aber ich könne ja keine Entscheidung treffen, die einen solchen Einfluss auf dein Leben hat.

Die Angst hatte dich gepackt. Du warst überfordert. Das verstehe ich, mir ging es genauso. Aber weil ich dich so verzweifelt brauchte, habe ich dich angebettelt, ich habe dich unter Druck gesetzt, dich bedrängt, Dinge gesagt, die ziemlich fies und unfair waren. Vor allem aber wollte ich dir weiterhin die Verantwortung für unser beider Gefühle aufdrücken. Ich wollte, dass du für uns beide stark bist, damit ich taumeln konnte. Aber das war für dich einfach zu viel und für jeden weiteren Schritt, den ich auf dich zutrat, hast du drei Schritte von mir weg gemacht. Und dann hast du mich damit einfach allein gelassen. 

Schließlich Funkstille

Wochenlang habe ich dir Nachrichten geschrieben. Du hast sie zwar gelesen, aber längst nicht mehr geantwortet. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben echten Liebeskummer, wie wir ihn alle aus Hollywood-Liebesschnulzen kennen. Weil ich damals in einer Tankstelle angestellt war, galt für mich sofort der Mutterschutz und ich durfte nicht mehr arbeiten. Ich war den ganzen Tag mit meiner Trauer allein, der Kontakt zu unseren gemeinsamen Freunden wurde mir immer unangenehmer und so verkroch ich mich in meinem Schneckenhaus. Die Schwangerschaft selbst verlief komplikationslos, körperlich ging es mir gut, ich habe mich nur einmal übergeben und musste lediglich Eisen supplementieren.

Das Kleine wuchs. Doch in mir fühlte ich dieses tiefe Loch. Ich konnte mich nicht auf das Baby-Fieber einlassen, egal wie sehr ich es wollte. Stattdessen habe ich viel geweint. Ich wollte dieses kleine Wunder einfach mit dir teilen, ich wollte das mit dir gemeinsam erleben. Ich wollte, dass du einen Scherz über meine Kugel machst und mir dann sagst, dass du mich trotzdem wunderschön findest. Ich wollte, dass du deine Hand auf meinen Bauch legst, dass du dieses kleine Leben auch spüren kannst, dich von ihm verzaubern lässt, es zu lieben lernst und zärtlich meinen Bauch küsst. Aber du warst nicht da. Wolltest mich nicht mehr. Wolltest dieses kleine Wir nicht. Meine naiven Kleinmädchenträume von einer glücklichen Bilderbuchfamilie wurden von der Realität erschlagen. Und mit dir hatte ich noch dazu meinen besten Freund verloren, in dieser Zeit, in der ich so dringend einen Freund gebraucht hätte.

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Über den Autor/die Autorin

Leserbeitrag

beziehungsweise-Leser erzählen in ihren eigenen Worten authentisch, emotional und inspirierend wahre Liebesgeschichten, wie sie nur das Leben schreiben kann. Sie haben ein Rezept für glückliche Beziehungen? Möchten Ihre Geschichte teilen? Schreiben Sie uns und machen Sie mit!