So wurde ich zur Stalkerin

Wie wichtig es ist, sich selbst zu schützen, zeigt diese krasse Erfahrung unserer anonymen Leserin. Im Liebeskummer verlor sie erst die Nerven und schließlich beinahe sich selbst 

Manchmal trifft man einen neuen Menschen, schaut ihn an und denkt: „Wow, der ist es!“ So erging es mir. Ich fand ihn perfekt – perfekt für mich! Wir lernten uns kennen, ich erfuhr immer neue Sachen über ihn und – was soll ich sagen – er war perfekt. Dass er vorbestraft war – egal! Dass er zwei Jahre im Gefängnis gesessen hatte – egal! Jeder Mensch macht Fehler. Vielleicht mochte ich ihn auch gerade deswegen. Ich fühlte mich so mächtig mit ihm. Ich habe ernsthaft geglaubt, dass sich Leute mir gegenüber angstvoll unterwerfen! Ich dachte, dass andere Menschen mich für mutig halten würden, weil ich mit einem Junkie und Dealer zusammen bin.

Wie in jeder Beziehung erlebt man Höhen und Tiefen. Wir haben viel unternommen, seien es Ausflüge, Picknicks oder unser gelegentliches Streiten, wenn er mit einer Flasche auf mich losging … Aber er war ja perfekt. Perfekt? Was ist eigentlich perfekt? Ein Gefühl des Wohlfühlens? Ein Gefühl, angekommen zu sein? Für mich fühlte es sich damals so an.

Alles war rundum perfekt, bis ich einmal gegangen bin, weil er mich bei einem Streit zu heftig getroffen hatte. Aber er war ja perfekt. Er würde sich ändern. Ich wollte mich zwei Tage später bei ihm melden. Ich rief also an und es ging eine Frau ans Telefon. Ich kannte diese Stimme nicht, aber sie klang etwas älter. Sie beleidigte mich ohne Grund und legte auf.

Das Spiel sollte also jetzt beginnen. Ich wollte herausfinden, wer diese Frau war. Ich stellte mich mit meinem Auto an einen nahegelegenen Parkplatz neben seinem Haus. Ich beobachtete die Wohnung. Ich wollte doch nur wissen, wer sie war, wo sie wohnt und und und … Ich wollte wissen, ob ich meinen Freund an sie verloren habe.


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