Eine hoffnungslose Liebe?

Was sollte man selbst tun, um missverständliche Signale zu vermeiden?

Viele Singles verbringen eine Menge Zeit damit, Textnachrichten zu analysieren und bis zur Metaebene zu durchleuchten: „Er muss mich mögen, sonst hätte er nicht …“ „Wer kein Interesse hat, der macht doch sowas nicht …“ Diese Lebenszeit kann und sollte man sich ersparen und im Zweifel einfach nachfragen, was der Kontakt damit sagen wollte. Und für die andere Seite gilt: Bitte nicht aus falsch verstandener Höflichkeit widersprüchliche Signale senden, also nach einer finalen Aussprache eine liebevolle Textnachricht schicken oder ins Kino einladen oder um einen Freundschaftsdienst bitten. Denn derjenige, der verliebt ist, muss das geradezu als Beleg wahrnehmen, dass da „vielleicht doch etwas geht“. Das heißt im Zweifel: Kontaktsperre. Klingt hart, ist aber für den Verliebten oft die einzige Chance sich klar zu werden, dass er sich keine Hoffnungen machen kann. Für den Zurückweisenden sind klare Verhältnisse auch besser, denn allnächtliche Liebesschwüre in der Mailbox provozieren nur anfangs Mitleid, später wird daraus Ablehnung.

Und dann waren da noch Kumpelfalle und die Angst

Stecke ich in der „Friendzone“ fest? Wenn Sie sich das fragen, dann stimmt das vermutlich. Eigentlich merken Menschen das sehr schnell denn wir haben feine Antennen, ob da eine sexuelle Anziehung zwischen uns besteht oder nicht. Man muss jedoch auf sie hören. Es gibt allerdings genug Gründe, sie überhören zu wollen: Stolz, gekränkte Eitelkeit, Starrsinn, Übermut, Leichtsinn und vor allem Angst vor einer Ablehnung und Zurückweisung. Denn das muss man sich schon eingestehen: In der Kumpelfalle bleibe ich nur, weil ich es will. Würde ich direkt ansprechen, was da gerade passiert, und zuhören, dann würde ich erfahren, dass hier keine Liebesbeziehung entstehen wird. Aber weil man eben das nicht hören möchte, vermeidet man das Thema und verbleibt lieber in der Komfortzone einer vorgeblichen Ungewissheit. Und die heißt nur Komfortzone, komfortabel ist sie keineswegs.

Warum geben manche Menschen nicht auf?

Viele sind heute insgeheim überzeugt, dass sie sich Liebe verdienen müssen, dass sie sich Mühe geben müssen, liebenswert und liebenswürdig zu sein. Weil dieses Gefühl nicht so angenehm ist, verbergen sie diese Furcht vor der Zurückweisung in ganz besonderer Kreativität, beispielsweise in fantasievoll gestalteten Dates, wundervollen, sehr persönlichen Geschenken, formvollendetem Umwerben. Als Belohnung erhalten sie sehr angenehme, beinahe euphorische Gefühle während dieser Bemühungen. Und sich Mühe geben, ist ja ein durch und durch sympathischer und liebevoller Zug! Nur eben nicht, wenn das Gegenüber das nicht möchte. Dann ist es kein Bemühen, sondern Belästigung.


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