Glücklichmacher oder Sahnehäubchen – Welche Rolle geben Sie Ihrem Partner?

Unser Partner hat die Aufgabe uns glücklich zu machen! Denken wir zumindest. Aber ist das wirklich so? Mathias Fischedick von KarriereExperten.com behauptet, dass für eine erfüllende Partnerschaft eine andere Haltung wirkungsvoller ist

»Ohne Dich schlaf’ ich heut Nacht nicht ein
Ohne Dich fahr’ ich heut Nacht nicht heim
Ohne Dich komm’ ich heut nicht zur Ruh’
Das, was ich will, bist Du«

So singt die Münchner Freiheit in ihrem Song »Ohne Dich«. Wenn wir solche Zeilen hören, dann nicken wir meist seelig zustimmend. Wir sehnen uns nach einem Partner, der uns das gibt, was wir brauchen, der die Löcher ausfüllt, die wir in unserem Herzen oder unserem Leben spüren. Kurzum: Wir träumen von einem Partner, der uns glücklich macht. Ist das denn so verwerflich? Verwerflich nicht, aber wenn Sie dieses Ziel verfolgen, machen Sie sich und Ihrem Partner das Leben schwer!

Vielleicht denken Sie jetzt so etwas wie »Der Fischedick ist ein unromantischer Holzklotz! Genau dafür ist der Partner doch da!« -Ich behaupte: Am Ende dieses Beitrags werden Sie anders denken.

Die Sache mit der Verantwortung

Wenn Sie die Vorstellung haben, dass Sie Ihren Partner oder Ihre Partnerin brauchen, um wirklich glücklich zu sein, dann impliziert das zwei Annahmen:

  1. Sie können alleine nicht dafür sorgen, dass Sie glücklich sind.
  2. Ihr Partner hat die Aufgabe, Sie glücklich zu machen.

Wenn Sie so denken, geben Sie die Verantwortung für Ihr Wohlergehen an den Menschen an Ihrer Seite ab. Der Andere soll spüren wie es Ihnen geht, am besten jeden Wunsch von Ihren Augen ablesen und dann entsprechende Maßnahmen ergreifen, damit Sie sich wohl fühlen. Dadurch üben Sie unbewusst Druck aus. Ihr Partner oder Ihre Partnerin wird versuchen Ihnen gerecht zu werden und daran oft scheitern – solange er oder Sie nicht Gedanken lesen lernt. Und das Kursangebot zum Thema »Gedankenlesen« ist aktuell eher dürftig 😉

Vielleicht stellen Sie auch ganz bewusst Forderungen wie: »Ich brauch dich doch!« oder »Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann …« Damit machen Sie dem Traumpartner das Leben zum Albtraum, da Sie sich an ihn hängen und erwarten, dass er Sie dorthin trägt, wo es uns besser geht … ohne immer selbst so genau zu wissen, was oder wo das ist.

Wenn Sie glauben, den anderen unbedingt zu brauchen, machen Sie sich gleichzeitig abhängig von ihm oder ihr. Sie geben sich selbst das Gefühl, ohne Ihren Partner unfähig zu sein, ein erfülltes, glückliches Leben zu führen. Und damit machen Sie sich zum Spielball und übersehen Ihr eigenes Potenzial.

Sie machen sich kleiner als Sie sind.

Zusammengefasst heißt das: Wenn Sie Ihrem Lebensgefährten die Position des »Glücklichmachers« geben, dann behandeln Sie ihn oder sie entweder von oben herab und stellen Forderungen oder Sie machen sich klein und fühlen sich schwach. Beides sind in meinen Augen keine Voraussetzungen für eine tragfähige Beziehung.

Alles eine Frage der Perspektive

Für mich basiert eine erfüllte Partnerschaft darauf, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen, dass wir gemeinsam Seite an Seite durch Leben gehen. Dazu ist das Bewusstsein nötig, dass es nur einen Menschen auf der Welt gibt, der uns wirklich glücklich machen kann: Wir selbst! Vielleicht denken Sie jetzt »So leicht ist das nun auch wieder nicht!« Leicht ist es nicht immer, aber es ist Realität. Sie selbst entscheiden durch Ihre innere Einstellung, wie Sie Dinge wahrnehmen und das hat einen großen Einfluss auf Ihr Befinden.

Ein Beispiel: Wenn Sie frisch verliebt sind, finden Sie alles großartig, was er oder sie tut. Süß, dass sie sich mehrfach umzieht, bis sie das passende Outfit für den Abend gefunden hat, und toll, dass ihre Mutter so an der frischen Liebe Anteil nimmt. Männlich, dass er auch zu Hause im Muskelshirt herumläuft, und abends so müde ist, dass er auf dem Weg ins Bett vergisst, das Licht im Flur auszumachen. Nachdem die anfänglichen Schmetterlinge im Bauch davongeflattert sind, sehen Sie die Dinge auf einmal anders.

 Was süß war, nervt

»Soll sie doch irgendwas anziehen oder einfach nichts, ist doch eh egal, ich habe Hunger und will endlich los zum Essen! Und wenn ihre Mutter noch einmal unangemeldet vor der Tür steht, dann bekommt sie Hausverbot.« »Wenn er noch einmal dieses scheußliche Unterhemd zu Hause anzieht, dann schmeiße ich es eigenhändig weg. Und den Strom, den er durch das nächtliche Licht im Flur verschwendet, kann er schön selber zahlen!«

An den Situationen hat sich nichts geändert, nur an unserer Bewertung. Wir selbst entscheiden, meist unbewusst, wie das Verhalten unseres Partners auf uns wirkt. Selbst wenn Ihr Partner die Rolle des »Glücklichmachers« übernehmen will, entscheidet allein Ihre Beurteilung darüber, wie gut oder schlecht er oder sie seine Aufgabe erfüllt. Wenn wir unseren Partner nicht mehr mögen, kann er machen was er will, wir werden es nicht zu schätzen wissen. Und das bedeutet unter dem Strich: Nur wir selbst haben wirklich Einfluss auf unser Glück.

»Sahnehäubchen« statt »Glücklichmacher«

Wenn Sie die volle Verantwortung für Ihr Wohlergehen übernehmen, schaffen Sie gute Voraussetzungen für eine erfüllende Beziehung. Wenn jeder sich seiner eigenen Fähigkeiten bewusst ist, dann steigert das auf beiden Seiten das Selbstbewusstsein. Damit meine ich kein Machogehabe oder Zickereien. Es geht vielmehr darum, dass Sie mehr in sich ruhen können, wenn Sie sich Ihrer selbst bewusst sind und das Vertrauen haben, Ihr Leben souverän meistern zu können – auch ohne Partner. Wenn Sie so leben, dann hat Ihr Partner nicht mehr die Rolle des »Glücklichmachers«, sondern wird zum »Sahnehäubchen«, das Ihr Leben noch schöner macht.

Er wird zum Extra und nicht zur Notwendigkeit.

Das nimmt den Druck aus der Beziehung und sorgt für mehr Freiheit auf beiden Seiten, die Raum zur Entfaltung lässt, von der Sie und Ihr Partner bzw. Ihre Partnerin profitieren können.

Wenn Sie sich noch einmal die Liedzeilen vom Anfang in Erinnerung rufen, dann wird klar: »Ohne Dich« ist ein »Glücklichmacher«-Song. Ich habe mir erlaubt, eine »Sahnehauben«-Variante davon zu dichten:

»Mit dir schlaf’ ich heut Nacht noch besser ein
Mit Dir fahr’ ich heut Nacht noch lieber heim
Mit Dir komm’ ich heut noch leichter zur Ruh’
Das, was mir gut tut, das bist Du«

Und jetzt sind Sie dran. Sie haben die Partner-Wahl: »Glücklichmacher« oder »Sahnehäubchen«?

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