Ihr kommt sicher wieder zusammen …, ach ja?!

Was würden Sie zu der frisch getrennten Freundin sagen, die an Liebeskummer leidet? Dass er bestimmt zu ihr zurückkommt, obwohl Sie sich sicher sind, dass das nicht passieren wird? Oder ehrlich sein? Jule Blogt über scheinheilige Freunde und was sie sich von diesen wünscht

„Sie/Er wird schon noch merken, was sie/er an dir hatte!“

„Das ist nur eine Phase, sie/er kommt schneller zurück, als du denkst.“

„Ihr hattet nur ein Missverständnis. Nachdem es ausgeräumt ist, erlebt eure Beziehung ein Happy End.“

Wie oft habe ich solche scheinheiligen Sätze gehört, als ich tieftraurig eine Trennung verarbeitete. Noch ganz verheult schluchzte ich ein ungläubiges „Wirklich?“ zurück, welches ich mit einem milden Lächeln unterstrich. Hoffnung, ich hatte Hoffnung. Denn da waren Menschen, die mir welche machten. Nicht die Personen, die mich erst in diese Trauer stürzten, sondern diejenigen, deren Taschentücher ich nun vollheulte. Freunde und Bekannte sind es, die eine Trennung nie so recht zu akzeptieren scheinen und mit gut gemeinten schlechten Ratschlägen dafür sorgen möchten, dass die Taschentuchverbraucher so schnell wie möglich glücklich in irgendwelche Arme verschwinden. Eigentlich ziemlich bösartig, oder? Sollten die Liebsten in solchen Momenten nicht mit einer vehementen Ehrlichkeit auftreten? Schließlich wissen sie meist viel besser als die/der Verlassene, woran die vermeintlich große Liebe am Ende scheiterte. Trotzdem versprühen sie Hoffnung, wo gar keine mehr ist.

„Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“

Bullshit!

Woran liegt das? Um das zu ergründen, musste ich ganz tief im Sumpf der Scham wühlen. Unten, da wo es besonders schlammig ist, begegnete ich Erinnerungen, die mich erschaudern ließen. Ich war genau so eine unehrliche Person, die ihren traurigen Freund*innen weismachen wollte, es würde schon wieder werden und die große Liebe sei noch lange nicht verloren. Was mich dazu brachte, war meine eigene Hilflosigkeit. Was hätte ich in diesem Moment anderes tun sollen, als irgendwelchen Mist daher zu quasseln? Ich war überfordert mit dem Herzschmerz, der an mich herangetragen wurde. Immer wenn ich überfordert bin, geht in meinem Hirn eine kleine Schublade auf: Was würde Hollywood tun, um die Situation möglichst erfolgreich zu meistern?

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