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Wenn der Partner zum Geist wird

Unsere anonyme beziehungsweise-Leserin wurde von ihrem Ex auf die schlimmste Art verlassen. Er entschwand aus ihrem Leben, wie ein Geist und hinterließ, neben ein paar Gegenständen, schmerzhafte Gefühle, aber auch etwas ganz Kleines und Wunderbares … Sie hat ihm einen Brief geschrieben, den er wahrscheinlich nie lesen wird

„Liebster Josch,

ich glaube, ich habe dir das nie gesagt, aber ich habe mich gleich im ersten Moment an dich verloren. Du standest am Bahnhof oben an der Treppe und du hattest diesen Joschblick. Du hast den Kopf gesenkt ganz leicht gelächelt und nach oben geschaut. Diese Art von Blick, den man so überhaupt nicht deuten konnte und ich habe mich gefragt ob du mich magst oder dich genau in diesem Moment über mich lustig machst.

Ich war kurz vorher gestolpert und hatte meine Pommes in der ganzen Bahnhofshalle verteilt. Ich sah dich an, lachte und versuchte gekonnt zu überspielen, wie peinlich die Situation war. Ich sah dich und ich dachte „Bitte geh nie wieder weg“ Deine großen braunen Augen, dein strubbeliges  Haar und dein 3 Tage Bart. Du warst perfekt. Wir tauschten Nummern, wir trafen uns immer wieder und schon nach ein paar Wochen beschlossen wir füreinander bestimmt zu sein und ein Paar zu werden. Wir waren so viel draußen. Wir teilten die Leidenschaft für den Sport und zu wandern, zu reisen und unsere Ansichten über die Welt. Viel wichtiger war allerdings, du warst genauso ein Tollpatsch wie ich. Wo ich Pommes verstreute, kipptest du den Salzstreuer um. Wir waren Bonnie und Clyde, wir waren Salz und Pfeffer. Du warst der Zucker in meinem Kaffee und ich die Kirsche auf deiner Torte. Wir passten einfach gut zueinander. Ich habe mich noch nie so geborgen gefühlt wie bei dir. Du warst die erste Heimat, die ich kannte.

Und dann kam der Tag, an dem du meine Reisetasche heimlich ausgepackt hast. Du hast meine Sachen in deinen Kleiderschrank geräumt und mir dann stolz die freien Schubladen präsentiert, die du für mich leergeräumt hast. Du hast gesagt, dass du mit mir leben willst und ich meine Wohnung kündigen könne, denn ab jetzt wärst du meine Familie und ich würde bei dir wohnen. Ich bin Waise und ohne Familie groß geworden. Deine Worte waren das größte Geschenk, das mir je jemand gemacht hatte. Wir liebten uns. Wir lebten zusammen, ich wohnte bei dir und niemals hätte ich geglaubt, etwas würde daran je wieder etwas ändern. Wusstest du, dass ich in dieser Zeit jeden Abend auf unseren Balkon getreten bin und dem Universum für mein Glück mit dir dankte?

Eines Morgens lagst du neben mir. Wir sprachen über die Kinder deiner Freunde und du hast mir in die Augen geschaut und gesagt „I´m ready for kids“ und auch damit waren wir uns einig. Wir fingen an, eine größere Wohnung zu suchen. Gingen zu Besichtigungen und planten die Zukunft.

Und plötzlich war es vorbei

Dann kam der Tag, der alles veränderte.

Wir fuhren wie jeden Tag gemeinsam mit dem Zug zur Arbeit. Du bist zwei Stationen vor mir ausgestiegen. Du gabst mir einen Kuss. Es war der Letzte. „Bis heute Abend“ sagtest du. Ich wartete den ganzen Abend in deiner Wohnung, in der wir lebten. Kurz vor Mitternacht kam eine SMS „Ich bin betrunken, ich kann gerade einfach nicht“.

Ich habe danach ganze 4 Tage auf Nachricht von dir gewartet, dich versucht zu erreichen zu verstehen, was passiert war, was mit dir ist, was ich getan habe. Ich war krank vor Sorge. Ich weinte sehr viel und hörte auf zu essen. Ich hörte auf zu existieren. Dann bin ich zur Polizei gegangen. Sie riefen deine Schwester an. Mir wurde gesagt, du wärst in München und es ginge dir gut.

Keine Erklärung. Nichts. München war ziemlich weit weg. Was wolltest du dort? Ich ging zurück in deine Wohnung, in der ich seit mehr als einem Jahr mit dir lebte. Es war auch mein Zuhause. Ich wartete. Du kamst nicht zurück. Keine Reaktion, kein Wort. Nichts, nur Stille. Verdammte Stille und Angst. Drei Wochen blieb es so und dann kamen deine Freunde. Sie hatten deinen Schlüssel, sie standen in der Wohnung, plötzlich. Sie sagten, ich solle jetzt sofort die Wohnung verlassen. Du würdest mich nicht mehr sehen wollen und sie hätten Angst um dich. Wenn ich dich lieben würde, würde ich gehen. Das waren ihre Worte und dann packten Sie meine Sachen zusammen.

Josch, sie haben meine Unterwäsche angefasst, sie fassten alle meine Kleider an. Sie packten alle meine Sachen ein und durchwühlten unser Leben und ich konnte nur zusehen und weinen. Ich habe es nicht verstanden. Wir waren doch glücklich. Ich sagte ihnen immer wieder „wir waren doch glücklich“.  Sie trugen einfach meine Sachen auf die Straße. Die ganze Straße stand voll mit meinen Sachen, Töpfe Pfannen, Shampoo und Wäsche. Es war, als wäre ich nackt und würde angestarrt. Ich war so hilflos und du warst nicht da. Meine Freundinnen kamen und holten mich und meine Sachen ab.

Ich lag tagelang bei einer Freundin im Bett und starrte die Decke an. Ich hatte das Gefühl auseinanderzubrechen, wenn ich mich bewegte. Dass da irgendwas fehlte, dass mich zusammengehalten hatte. Ich fühlte mich nicht mehr lebensfähig und alles war taub. Ich atmete, aber eigentlich gab es mich nicht mehr. Du warst doch mein Zuhause, du hattest versprochen mir nie wehzutun und dann ohne Erklärung warst du einfach gegangen. Ich wurde ins Krankenhaus gebracht. Ich übergab mich mehrmals, gab dem Stress und der Trauer die Schuld. Ich war dünn und schwach.

Du hast nicht nur mich verlassen

Sie erklärten mir, dass sowas vorkommt. Sie nannten Männer wie dich Geister, die aus unterschiedlichsten Gründen einfach verschwinden. Wir machten einige Test und dann war klar… Du warst verschwunden, aber du hast mich nicht alleine zurückgelassen. In meinem Bauch war unser Kind eingezogen. Josch, du hast nicht nur mich verlassen, du hast auch sie verlassen. Ich war schwanger von dir. Ein schlimmer Tiefpunkt in meinem Leben und es blieb mir nichts übrig, als zu akzeptieren, dass du nun nur noch ein Geist warst und ich nun alleine „ready for kids“ war nur mich so gar nicht mehr ready fühlte.

Die Therapeuten sagten, dass man sich bei Geistern in nur einem einzigen Punkt sicher sein kann, wenn sie einmal gegangen sind, kommen sie nie zurück. Du hast deine Telefonnummer gewechselt, deinen Job gekündigt und deine Wohnungstür blieb für mich verschlossen. Ich gab auf. Sie hatten recht. Das Leben musste weitergehen. Ich suchte eine neue Wohnung und baute ein neues Leben auf. Ein Leben für mich und unsere Tochter Tilla. Ich weiß nicht mal, ob du den Namen für unser Kind gemocht hättest. Fragen konnte ich ja nicht mehr. Tilla und ich. Wir zwei sind die wirklich kleinste Familie der Welt und haben doch alles, was wir brauchen. Sie hat deine braunen dicken Haare und deine Augen. Sie ist hübsch und sie ist ein Wunder.

Die Frage nach dem Warum lies mich nicht los. Ich suchte im Internet Menschen, die dich kannten, Arbeitskollegen von dort, wo du zuletzt gearbeitet hattest. Ich bekam Antworten, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Es meldeten sich zwei Frauen aus zwei verschiedenen Städten bei mir, die dich kannten und die du auch über Nacht verlassen hattest. Du warst einfach verschwunden und hast dich auch dort nie wieder gemeldet. Du hast dort alles zurückgelassen und die Stadt verlassen. Einfach weg. Du hast auch deine Arbeitskollegen und Freunde an diesen Orten einfach zurückgelassen. Du hattest für sie keine oder undurchsichtige Erklärungen, die meisten haben dich nie wiedergesehen und waren genauso ratlos wie ich. Man schrieb mir, du wärst wegen Depressionen behandelt worden. Wieder andere schrieben, du wärst Abenteurer und wolltest halt mal die Welt entdecken. Allem gemein war, dass niemand dich wirklich zu kennen glaubte und auch ich kann heute nicht mehr darauf Antworten. Ich dachte, ich wüsste alles über dich und muss nun einsehen, ich wusste nichts. Ich lebte mit einem Phantom. Einer Illusion von Partner und weiß nicht im Ansatz, wer du eigentlich bist.

Geister kommen nicht zurück, oder?

Ich würde gerne wissen, ob du weißt wie groß der Schmerz ist, den du damit verursacht hast? Ich würde gerne wissen, was dich wegrennen lässt?  Warum du mir nicht vertraut und mit mir geredet hast? Hast du mich geliebt? Du wirst nie erfahren, dass du eine wundervolle Tochter hast und sie wird nie wissen, wer ihr Vater eigentlich ist. Ich kann nur von dem Geist erzählen, der kam und ging und nicht der war, für den er sich ausgab. Berührt das alles dich gar nicht?

Lieber Josch, du hast mir die schlimmste Ohrfeige meines Lebens verpasst. Es schallt auch heute, 2 Jahre danach noch so laut wie am ersten Tag. Die Wunde ist offen und kann nicht heilen, weil ihr die Antworten fehlen und trotzdem hofft eine leise Stimme in mir jeden Tag, dass du zurückkommen wirst. Dass mein Geist, der erste ist, der sich traut zurückzukommen.

Ich stelle mir vor, wie das wäre, wenn du plötzlich wieder in der Tür stehen würdest. Ob ich dir dann verzeihen könnte? Das weiß ich nicht. Aber ich wünsche mir so sehr Antworten und dass du Tilla siehst und weißt, dass es sie gibt. Die traurige Wahrheit ist aber, du kommst nicht wieder zurück. Tilla und ich werden wohl das lieben müssen, was uns geblieben ist. Meine Erinnerungen, an einen Geist, von dem wir nicht wissen, wer er wirklich war und das, was zwischen meinen Sachen steckte, die deine Freunde auf die Straße stellten: ein paar Bilder, deine Diplomurkunde und eine Armbanduhr, die stehen geblieben ist zwei Tage, nachdem du nicht heimkamst.

Ich werde dich nicht mehr suchen, aber ich werde hier sein, immer.

Deine Anna“

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P.S.: Tipp- und Grammatikfehler korrigieren wir für Sie mit größter Sorgfalt. Größere Veränderungen werden wir aber natürlich nur nach vorheriger Absprache mit Ihnen vornehmen. Mit der Veröffentlichung des Beitrags stimmen Sie unserer Autorenvereinbarung zu.

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Leserbeitrag

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