Mein Freund hat mich nie geliebt

Einer liebt immer mehr? Unsere anonyme beziehungsweise-Leserin kommt – noch – nicht von dem Mann los, der nicht so viel für sie empfindet wie sie für ihn.

Martin und ich lernten uns in einer Bar kennen. Er sprach mich an und weckte auf Anhieb mein Interesse. Bei einem Glas Wein kamen wir rasch in das Gespräch und küssten uns bereits am selben Abend leidenschaftlich. Von Anfang an vermittelte er mir, dass er sich eine Partnerschaft wünschte und auch ich war nicht abgeneigt. Beim zweiten Date schliefen wir miteinander und entdeckten, dass wir auch im Bett gut harmonierten. Für eine Beziehung entschieden wir uns sehr schnell und ich konnte mich bei ihm rasch fallen lassen. Die ersten gemeinsamen Monate empfand ich als traumhaft. Wir genossen den Sex miteinander, waren dabei beide sehr experimentierfreudig und schmiedeten Pläne für einen Sommer zu zweit.

Da Martin rund 30 Jahre älter ist als ich, war von Beginn an klar, dass unsere Beziehung keine Partnerschaft im klassischen Sinn sein würde. Dennoch stellte sie für mich etwas Besonderes dar. Noch nie zuvor hatte ich eine solche (sexuelle) Anziehungskraft zu einem Menschen verspürt. Allerdings wünschte ich mir nicht nur sexuelle Erfahrungen, sondern auch romantische Erlebnisse. Leider teilte mein Freund dieses Bedürfnis nicht und ich war mir bald unsicher, ob er sich über eine sexuelle Ebene hinaus für mich interessiert.

Er hatte keinerlei Interesse meine Familie kennenzulernen

Nach drei Monaten kam es zu ersten Streitigkeiten. Mich verletzte, dass Martin kein Interesse daran hatte meine Familie und Freunde kennenzulernen und mich auch keiner ihm bedeutenden Person vorstellen mochte. Ich konnte nicht begreifen, dass er keinerlei Neugier auf mein Umfeld verspürte. Dennoch akzeptierte ich dies, denn er konnte aufgrund unseres Altersunterschieds davon ausgehen, dass unsere Familien unserer Beziehung skeptisch gegenüberstehen würden. Dass er mich jedoch nicht wenigstens ein paar Bekannten vorstellen mochte, vermittelte mir den Eindruck, dass ihm unsere Beziehung nicht ernst war. Und er sich für mich schämte.

Dass er nicht zu unserer Beziehung stand, zeigte mir auch, dass er in sämtlichen sozialen Netzwerken angab Single zu sein. Auf Instagram bevorzugte er es, die Bilder (halb-)nackter Frauen zu liken. Sicher ist die Partnerin nicht der einzige Mensch, den man attraktiv findet, aber ich kann nicht nachvollziehen, warum man sein Interesse für andere Frauen auf diese Weise öffentlich bekundet. Als ich Martin meine Zweifel schilderte, warf er mir Stalking vor und fühlte sich eingeengt. Während ich Konflikte am liebsten zeitnah ausdiskutieren wollte, empfand er dies als unnötig. Er meinte, dass er solche Gespräche schon mit Exfreundinnen geführt habe, er meinen Standpunkt nachvollziehen könne, aber keine Diskussionen und keinen Stress mehr wolle. Anscheinend war ich ihm (im Gegensatz zu seinen Exfreundinnen) nicht wichtig genug für ernsthafte Diskussionen. Sein Ziel war es nach Auseinandersetzungen lediglich wieder Leichtigkeit im Bett herzustellen.


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