Du bist die Lektion meines Lebens

Er wollte nur eine kurze Pause. Aber er kam nie wieder zurück. Und genau deshalb nimmt er in ihren Gedanken immer noch Raum ein. Eine anonyme Leserin über die schlimmste Art, verlassen zu werden

Leere. Stille. Einsamkeit. Unverständnis. Das alles sind Worte, die meine Gefühle nach deinem plötzlichen Kontaktabbruch, dessen wahre Beweggründe ich nie wirklich erfahren habe, wohl ziemlich treffend beschreiben.

Wie lange es her ist? Eine Woche, ein Monat oder doch sechs Monate? Nein, die erschreckende Wahrheit ist – es ist beinahe vier Jahre her. Manchmal spukst du noch immer in meinen Gedanken umher, noch immer in meinem Herzen. Hattest viel zu lange noch einen zu großen Stellenwert in meinem Leben. Seitdem du damals weg gegangen bist, habe ich derartige, tiefe Liebe nicht mehr erfahren. Vielleicht auch nicht mehr erfahren wollen. Wie oft ich mir eingebildet habe, dein Gesicht in Menschenmengen zu sehen und dann doch wieder ernüchternd feststellen müssen, dass du es nicht bist.

Denn du bist fort. Und ich hab‘ dich seitdem nie mehr wiedergesehen. Dabei wolltest du doch wiederkommen. Hast du gesagt. Du bräuchtest nur eine kurze Pause, Zeit für dich. Hast du gesagt. Vielleicht ein paar Wochen oder Monate. Hast du gesagt.

Ich habe das akzeptiert, wenn auch schwerfällig. War aber immer, entgegen aller Stimmen, der festen Überzeugung, du würdest wiederkommen. Also habe ich geschwiegen. Geschwiegen und gewartet. Alles, weil ich dich doch so sehr liebte.

Ich habe dem Zug mit dir darauf, viel zu lange nachgesehen – sogar noch dann, als er eigentlich schon gar nicht mehr am Horizont zu sehen war. Wenn es auch sehr lange gedauert hat, geht es mir jetzt endlich wieder gut. Ich habe wieder zurück ins Leben gefunden und bin nicht mehr nur ein Schatten meiner selbst.

Ganz selten, da denke ich an dich. Noch immer. Ich getraue mich kaum, davon irgendwem zu erzählen, sie würden mich ja doch für verrückt halten. Wie kann man einen anderen Menschen auch so lange im Herzen behalten – das geht doch gar nicht. Vor allem dann nicht, wenn er einen so sehr verletzt hat. Nach drei Monaten ist doch normalerweise alles vergessen, so die Devise. Aber wie sollte ich dich wirklich jemals komplett vergessen können? Du warst doch meine Heimat, mein Zuhause. Oder wie der Liedermacher Philip Poisel sagen würde: Bei dir hatte mein Bauchweh endlich aufgehört. Alles in allem: Ich habe dich einfach unendlich geliebt. Bedingungslos. Obwohl du mich ausgespuckt hast, wie Gift in deinem Mund, werde ich dich niemals hassen können. Hass befreit nicht. Und alles, was ich so sehr möchte, ist einfach nur „frei“ sein – von dir und meinen Gefühlen zu dir. Ich schaffe es mittlerweile immer mehr, eine komplette Gleichgültigkeit zu entwickeln. Aber komplett vergessen werde ich dich wohl nie.


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