Du tust mir nicht gut, und trotzdem…

Was passiert, wenn zwei Menschen nicht mehr miteinander können, aber auch nicht ohne einander? Wenn beide Herzen im Gleichklang schlagen und sich doch voneinander entfernt haben?

Du tust mir nicht gut, und trotzdem machst du mich süchtig. Ich kann nicht ruhen, solange es dich irgendwie gibt, irgendwo in Reichweite meines von Liebe besoffenen Herzens. Ohne dich kann ich nicht, mit dir kann ich nicht mehr.

Wenn alles ganz leicht wäre, würden deine Lippen nach Pfirsich oder Melone schmecken, oder einfach nach dir. Aber weil es mit uns nicht leicht ist, schmecken sie nach bitterer Mandel. Da ist ein Hauch von abgestandener Sehnsucht mit drin, und auch ein Spritzer Säure.

Du tust mir nicht gut, und trotzdem bleibe ich an dir kleben wie an einer verharzten Fichte. Und ich tue es immer noch gerne, in manchen Momenten. Dann strecke ich beide Arme nach dir aus, dann umarme ich dich und versenke mich mit dir im Augenblick, auf dass es keine Zeit mehr gäbe.

Wenn alles ganz leicht wäre, würde ich einfach gehen und mich nicht mehr umdrehen. Denn Abschied würde wirklich Abschied bedeuten. Ich würde die Tür deiner Wohnung öffnen, die zweiundfünfzig Treppen hinabsteigen, die ich bei jedem Besuch, bei jedem Aufstieg zähle, weil mich jede genommene Stufe einen Schritt näher zu dir bringt, und mein Herz zu deinem, bis sich unsere Körper, diese Träger unserer Herzen, vereinen, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Aber es ist alles nicht leicht.

Du tust mir nicht gut, und trotzdem ist da immer noch diese fast kindliche Freude, wenn ich deine Atemzüge zähle, weil du bei mir liegst. Wenn ich deinen Geruch einsauge und mich dann doch in deinen Augen verliere, bis du irgendwann das alles zusammen und noch viel mehr bist und das Bild ganz.


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