Verpassen Sie
keinen Artikel mehr!

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an!

Abonnieren
Unsere Hinweise zur Datenverarbeitung finden Sie hier.
Ich möchte per E-Mail von beziehungsweise (PE Digital GmbH) über aktuelle Artikel rund um die Liebe sowie über Produktangebote informiert werden. Diese Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden. Kontaktadressen entnehmen Sie unseren Datenschutzhinweisen.
Verpassen Sie keinen Artikel mehr!
Unsere Hinweise zur Datenverarbeitung finden Sie hier.

Für immer Single? Weil ich Feministin bin?

Frauen werden über den Beziehungsstatus definiert

Ich als Feministin bin mir bewusst, dass es ein gewisses Singleshaming gibt, dem insbesondere Frauen ausgesetzt sind. Wenn ich eins gelernt habe, dann, dass vermeintlich persönliche Probleme oft struktureller Natur sein können. So ist das auch in diesem Fall. Der Wert einer Frau wird noch viel zu oft an ihrem Beziehungsstatus gemessen. Und an der Frage, ob sie Kinder hat. Lautet die Antwort nein, hat sie nicht, dann muss sie unglücklich und bemitleidenswert sein. Feministinnen erkennen in der Regel diese ungerechte Bewertung und es ist ihnen egal bzw. sie gehen aktiv dagegen an.

Ich wähle ganz bewusst Selbstbestimmung statt Unterdrückung. (Ich will damit natürlich nicht sagen, dass jede Partnerschaft so ist oder wäre.) Ich sehe mich nicht als unvollständig an, wenn ich Single bin.

Ich habe gelernt, mich von Männern fernzuhalten, die mich ausschließlich sexualisieren, die mir nicht wirklich zuhören möchten, die nur nehmen und nicht geben, die wollen, dass ich unselbstständiger werde und zu gewissen Themen schweige. Leider bin auch ich in dieser Gesellschaft aufgewachsen und habe deshalb zu lange nicht gemerkt, dass ein Ungleichgewicht in diesen Dingen nicht in Ordnung ist. Gewisse Dinge muss sich niemand gefallen lassen. Und beweisen muss man auch niemandem etwas. So funktionieren Liebe und Dating nicht.

Was sagen Bezeichnungen überhaupt aus?

Deshalb ist mir heute auch offene, ehrliche und bedürfnisorientierte Kommunikation so wichtig. Damit kann man sich so viel ersparen. Männer, die ihre Privilegien hinterfragt haben, die auch mal Nagellack, Röcke und Rosa tragen, die Gefühle zeigen können, die wissen, was Konsens ist und die sich mit meinem Seelenleben genauso intensiv beschäftigen wie mit meinem Körper, sind diejenigen Männer, die ich date.

Zudem kann man in dem Kontext so Bezeichnungen, wie „Single“ und „vergeben“ auch hinterfragen. Menschen, die beziehungsanarchistisch leben, verzichten bewusst auf diese Zuschreibungen. Auch ich bin nicht-monogam und verordne mich im Bereich „poly“. Ich würde mich zwar (noch) nicht als Beziehungsanarchistin labeln wollen, aber sympathisiere sehr mit diesem Blick auf Liebe und Beziehungen. Dementsprechend messe ich der Frage nach dem Beziehungsstatus auch nicht so viel bei.

Nicht falsch verstehen, auch ich habe das Bedürfnis nach Nähe und Liebe. Ich denke nur einfach, dass es falsch ist, davon auszugehen, dass Menschen, die „vergeben“ sind, automatisch diese Bedürfnisse erfüllt bekommen und Menschen, die nicht „vergeben“ sind, automatisch nicht in den Genuss davon kommen können. Vor allem emotionale Erfülltheit hat nicht automatisch etwas mit einer romantischen Verbindung oder Sexleben zu tun.

Deshalb labele ich mein Beziehungsstatus mit „unwichtig“. Gibt es diese Auswahloption eigentlich auch schon auf Facebook?

Hier findest du mehr aus der Kolumne von Melina Seiler:

Seite 1 2
Verwandte Themen:


Über den Autor/die Autorin

Melina Seiler

Nachdem sie immer wieder von anderen so genannt wurde, bezeichnet sich Melina Seiler jetzt selbst als „Sexfluencerin des Vertrauens“ oder in seriös als sexpositive, intersektionale Feministin, Journalistin, Autorin, Speakerin, Podcasterin und Kolumnistin. Sie schreibt und spricht zu Feminismus (insbesondere zu Sexualität & Schönheitsidealen), LGBTQIA+ sowie zu Diversität und Diskriminierung allgemein. In ihrer Kolumne „Date mit einer Feministin“ schreibt sie für beziehungsweise über Vorurteile und Klischees, die über Feministinnen kursieren und erklärt was es mit dem Feminismus wirklich auf sich hat. Melina hat einen Bachelor of Arts in „Journalismus und Unternehmenskommunikation“. Aktuell absolviert sie ihr letztes Semester im Master „Journalistik und Kommunikationswissenschaft“ an der Uni Hamburg. Ihr Master Arbeit behandelt – wie soll es auch anders sein – die Frage, wie feministisch der Journalismus sein darf oder sogar sein muss. Mehr von Melina kann man in ihren Büchern „Was ich mal sagen wollte“, „LIEBEN & LEIDEN“ und „Kopf. Stein. Pflaster.“ lesen oder in ihrem Podcast „Gedanken einer Sexfluencerin“ hören.