Verpassen Sie keinen Artikel mehr!

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an:
per WhatsApp oder per E-Mail!

Verpassen Sie keinen Artikel mehr!

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an:
per WhatsApp oder per E-Mail!

unerhört: Was ich anfangs an ihm romantisch fand, nervt mich nur noch

Unser Thema in dieser Woche: Alle seine Eigenschaften die mich vorher nie störten, nerven mich mittlerweile kolossal

Frage:
Ich will ihn nicht verletzen. Aber ist diese Verbindung das Wahre?

Ich bin seit einem Jahr mit meinem Freund zusammen. Ich bin geschieden und habe zwei Kinder. Er war weder verheiratet, noch hat er Kinder. Die Initiative ging anfänglich von mir aus, da ich in aus meiner Jungendzeit kannte und ihn zufällig nach langer Zeit wieder traf. Es ging mir eigentlich nur um den Kontakt, denn eine Beziehung wollte ich nicht und schon gar nicht mit ihm, da er absolut nicht mein Typ war. Weder optisch noch charakterlich. Wir schrieben, trafen uns mehrmals und hatten unverbindlichen Sex – bis er mir gestand, mich zu lieben. Wir wurden ein Paar und es lief alles super. Er versteht sich so weit ganz gut mit den Kindern, obwohl die ihn mehr dulden als mögen. Er ist hilfsbereit, fürsorglich, sieht wo etwas fehlt und gesteht mir mehrmals am Tag, wie sehr er mich liebt. Anfänglich fand ich das so romantisch, wie er mich umsorgte und sich auch für die Kids interessierte. Deshalb sah ich auch über seine Defizite hinweg. Ich komme vom Land, er ist eine Stadtpflanze. In mancher Hinsicht sind wir ähnlich, aber anderseits auch total verschieden. Alle Eigenschaften, die mich vorher nie störten, nerven mich mittlerweile kolossal. Wir waren kürzlich mit den Kindern zusammen im Urlaub und schon da musste ich feststellen, dass wir nicht kompatibel sind. Ich halte ihn mittlerweile immer mehr auf Distanz, aber bringe es nicht fertig, mich zu trennen. Er ist so naiv, sensibel und anhänglich. Ich sprach mit ihm schon darüber, was mich stört und er versprach direkt, sich zu ändern. Ich will aber keinen Mann, der nach meiner Pfeife tanzt und alles tut, um keinen Konflikt oder Streit zu provozieren. Ich fühle mich bei ihm nicht beschützt. Im Gegenteil, ich übernehme unbewusst die Führungsrolle. Ich habe keinen Lust mehr auf Sex und ich vermisse meinen Freund auch nicht, falls wir uns länger nicht sehen. Er beteuert ewig, wie sehr er mich liebt und braucht und will selbiges dauernd von mir hören. Ich bin eher ernst und nüchtern und wenig romantisch, deshalb sage ich sowas, wenn dann nur selten, aber dafür ehrlich. Ich will ihn nicht verletzen, aber merke, dass diese Verbindung nicht das Wahre ist. Er nervt mich und da ich durch Schichtarbeit, Kinder und Haus schon wenig Zeit habe, wäre ich oft lieber alleine. Das versteht er nicht. Bin ratlos …

bzw. Antwort:
Es ist Zeit für Konsequenzen

Nach Ihrer Beschreibung wünschen Sie sich dringend eine Veränderung. Sie haben Ihrem Partner vermittelt, was Sie stört – damit er diese Verhaltensweisen ändern kann. Andere Verhaltensweisen finden Sie eigentlich gut, wie seine Fürsorge und seine Hilfsbereitschaft, aber die erleben Sie vor allem als anstrengend. Sie wünschen sich in der Folge, dass er Distanz hält. Sie möchten, dass er Ihnen die Führungsrolle abnimmt und selbst aktiv wird. Das alles klingt für mich so, als wünschten Sie sich, dass er endlich sieht, dass Sie ihn nicht so lieben wie er Sie, dass er die Konsequenzen zieht und sich trennt.

Sie schreiben zwar, dass Sie ihn nicht verletzen möchten, aber ich fürchte, das genau tun Sie. Mein Eindruck ist, das fing schon alles nicht so an, wie Sie sich das gewünscht haben. Er hat Sie nicht erobert, er hat Sie eher überredet, es miteinander zu versuchen. Sie haben sich auf ihn eingelassen, obwohl er gar nicht Ihr Typ ist. Wenn Sie seine Stärken und Schwächen beschreiben, scheinen Sie selbst unsicher, diese einzuordnen. Was Ihnen zunächst gefallen hat (Sie bleiben allerdings recht vage, was das tatsächlich war außer seiner Aufmerksamkeit und seiner Mühe), empfinden Sie nun als einengend, denn in Ihnen ist ein starker Fluchttrieb erwacht. Sie möchten nicht die „Böse“ sein, die ihn vor den Kopf stößt, weil Sie durchaus sein Engagement zu schätzen wissen. Deshalb bitten Sie ihn, seine Verhaltensweisen zu ändern, sich mehr Ihren Wünschen anzupassen – obwohl Sie doch eigentlich nur einen Wunsch haben: mehr Distanz.

Insgeheim fragen Sie sich, weshalb er nicht Manns genug ist, Ihnen den Kopf zu waschen und Sie zu verlassen. Sie tun alles, was Sie sich vorstellen, was ein Mann tun müsste, um Sie zu vertreiben. Doch voraussichtlich wird er das nicht tun, denn er ist, wie Sie schreiben, in Sie verliebt. Nach Ihrer Beschreibung sind Sie das nicht, vielleicht sind Sie es nie gewesen.

Es gibt in Beziehungen häufig nach einer ersten Verliebtheitsphase das Erkennen einer sogenannten fatalen Attraktion, darunter versteht man, dass genau die Dinge, die zuvor so anziehend waren, plötzlich als anstrengend erlebt werden. Dieser Widerstand muss gar nichts Schlechtes sein, er zeigt zunächst nur, dass Sie sich in einer Situation befinden, die neue, ungewohnte Anstrengung von Ihnen erfordert.

Sie haben nichts darüber geschrieben, wann und weshalb Ihre Ehe auseinanderging. Ist es möglich, dass Ihr neuer Partner ein ganz anderer Typ ist, als Ihr Ex? Haben Sie sich bewusst auf eine Beziehung mit ihm eingelassen, weil die sicher ganz anders verlaufen würde als Ihre gescheiterte Ehe? Es wäre möglich, dass Sie unverarbeitete Aspekte Ihrer Ehe in die neue Beziehung getragen haben, das könnte erklären, weshalb Sie so hin- und hergerissen sind in Ihrer Beurteilung, welche Verhaltensweisen Sie denn nun positiv oder negativ in Ihrer Beziehung erleben.

Nach meiner Vermutung ist es nicht Ihr Partner selbst, sondern Ihre Anforderungen an einen Mann und eine Beziehung, die Ihrer Zufriedenheit im Weg stehen. Sie wünschen sich, dass er Sie beschützt, gleichzeitig wünschen Sie sich weniger Nähe und Besorgnis von seiner Seite. Wie meinen Sie, könnte er diese doch gegensätzlichen Wünsche erfüllen? Wofür sind Sie Ihrem Partner dankbar?

Vielleicht ist es genau dieser Gedanke, den Sie mit Ihrem Partner besprechen könnten? Möglicherweise finden Sie gemeinsam Strategien, die er noch nicht versucht hat und die Ihnen Beiden guttun. Vor allem: Lassen Sie Ihre Beziehung nicht einfach dahintreiben, bis er die Konsequenzen zieht – das wird nämlich ein sehr schmerzhafter Weg sein. Gehen Sie stattdessen mit Ihrem Partner an den Punkt zurück, an dem Sie zu stören anfing, was Sie zuvor so liebenswürdig empfanden. Meist gibt es Anlässe für solch eine andere Wahrnehmung. Vergessen Sie dabei nicht, dass nicht er seine Verhaltensweisen geändert hat, er verfolgt nur weiterhin die bis dahin erfolgreiche Strategie, Sie zu umwerben und Sie für sich einzunehmen. Dass diese nun nicht mehr aufgeht, wird ihn ebenso verwirren und vermutlich verletzen. In der umgekehrten Situation: Was würden Sie sich von einem Partner wünschen? Vielleicht beginnen Sie zunächst damit.

 

Divider

Sie haben auch Fragen? So erreichen Sie uns:

(Mo.–Fr., 9–18 Uhr)

redaktion@beziehungsweise.de
Posting oder Privatnachricht

Verwandte Themen:

Über den Autor/die Autorin

Eric Hegmann

Liebe macht glücklich. Unser CLO (Chief Love Officer) verantwortet die redaktionellen Inhalte von beziehungsweise. Eric Hegmann ist Autor zahlreicher Bücher rund um Partnerschaft und Partnersuche und berät Singles und Paare. Arbeitsschwerpunkte: Bindungsangst und Verlustangst ( Beziehung mit Narzissten , emotionale Abhängigkeit), Beziehungsunfähigkeit sowie Streit- und Kommunikationskultur von Paaren (Sprache der Liebe). Der Wahlhamburger ist verheiratet und lebt und arbeitet seit 25 Jahren neben der berühmtesten "Liebes-Meile" der Welt: der Reeperbahn.