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Ein Jahr Tinder-Dates: Is it a match?

Leon und ich, wir reden aneinander vorbei, tauschen Satzfetzen aus und sind eigentlich nur zwei Fremde, die nichts gemeinsam und sich nicht wirklich was zu sagen haben. Dass das hier nichts ist, muss uns beiden doch klar sein. Zwischen uns ist nichts, kein Funke, kein Verständnis, kein Interesse. Trotzdem gibt er sein Bestes, Witze zu reißen, viele auf meine Kosten. Er macht Bemerkungen zu meinem Äußeren, die mehr als daneben sind, und bedient dabei alle sexistischen Klischees. Als ich mich gerade ernsthaft frage, in was ich mich da hineinmanövriert habe, weil ein Date ja kaum schlimmer und zäher sein kann, sagt er ganz langsam, wie in Zeitlupe: »Weißt du, was wirklich schön wäre? Wenn ich jetzt hier meine Hose runterziehen könnte und du mir unter dem Tisch einen blasen würdest.« Ich pruste laut los, ohne, dass seine Worte wirklich zu mir durchdringen, und entgegne mit aller Schlagfertigkeit, die ich in diesem Moment aufbringen kann, dass das doch nun wirklich niemand sehen will.

Ich bin völlig perplex. Es wäre richtiger und wichtiger gewesen, an dieser Stelle aufzustehen und zu gehen. Er fasst mein Lachen als Mitspielen auf, als gekonnten Sarkasmus, als Flirten vielleicht, und fühlt sich bestätigt, noch mehr Grenzen zu überschreiten. Dabei meine ich das völlig ernst, auch wenn ich dabei lache. Im Lachen verstecke ich meine Unsicherheit, so mache ich das schon immer.

Als wir das Restaurant verlassen, streift er meine Hand und macht eine anerkennende Bemerkung zu meinem Po in der weißen Hose. Es schüttelt mich lautlos vor Ekel. Er ist groß und breit gebaut, und sein forsches, übergriffiges Auftreten macht mir zu viel Angst, als dass ich angemessen reagieren könnte.

Leider wohne ich viel zu nah am Restaurant, um ihn abschütteln zu können. Unten an der Tür stelle ich mich zwischen ihn und den Türrahmen, murmele mehrmals etwas wie »Ich gehe dann jetzt mal schlafen, danke«, aber er drückt sich an mir vorbei in meinen Hauseingang und läuft schnurstracks die Treppe hoch. Ich merke sofort, dass ich diese Situation nicht mehr unter Kontrolle habe, dass dieser mir fremde Mann gerade zu weit geht, dass ich gerade etwas sagen könnte, sollte, müsste. Aber ich bin unfähig, mich zu rühren, wirklich einzuschreiten. Unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen und danach zu handeln. Ich stehe neben mir, als würden Körper und Kopf gerade nicht zusammengehören. Ich wüsste nicht, wie er reagiert, wenn ich jetzt Stress mache. Es erfordert vor allem Mut von mir, Mut und Ehrlichkeit. Etwas, womit ich mich schwertue, denn später einfach auf WhatsApp zu ghosten und ihn bei Tinder zu löschen, ist einfacher. Weniger Konflikt. Weniger direkte Auseinandersetzung mit diesem Menschen, der mir Angst macht. Ich wäge deshalb zwischen all meinen Ausflüchten und seinen Reaktionen kurz ab, und während ich das noch tue, habe ich schon meine Wohnung aufgeschlossen, und wir sitzen auf meinem Balkon. Ich sitze fest. In meinem eigenen Zuhause.

Während er redet, verstrickt er sich immer wieder in seltsame Widersprüche. So erzählt er mir erst, er wäre ein typisches Einzelkind, ein paar Momente später geht er auf seine vier jüngeren Brüder ein. Ich höre kaum zu, entdecke dann aber doch jede Menge weiterer Differenzen in seinem Monolog. Einfach irgendetwas daher erzählen, was sich in dem Moment imposant anhört und meine Geschichten übertrumpft. Fühlt sich für mich Nicht-Psychologin wie eine narzisstische Persönlichkeitsstörung an, die mir da gegenübersitzt. Und das als erstes Date als Neu-Single. Klasse. Und dann immer wieder die unpassenden Anspielungen auf mein Äußeres. Ich ekle mich inzwischen einfach nur noch.

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