Der Mythos des Suchens

Nur wie findet sich, was zusammengehört, wenn man nicht weiß, wonach man sucht?

Als ihr Körper in zwei Teile zerschnitten war, umschlangen sich die Liebenden voller Sehnsucht und voller herzzerreißender Begierde wieder zusammenzuwachsen, weil sie ohne einander nicht leben wollten. Seit jeher ist die Liebe zu einander angeboren. Um die alte Natur des Menschen zurückzubringen und aus zwei wieder eins zu machen.

Sie vergaßen alles um sich herum, auch ihre natürlichen Überlebensinstinkte, bis sie schließlich starben. Schied nur einer von beiden dahin, so suchte der Zurückgelassene sehnsüchtig nach einer neuen Erfüllung seiner selbst.

Trafen nun aus einer glücklichen Fügung heraus wieder zwei einsame Hälften aufeinander, so wurden sie von wunderbaren Gefühlen der Freundschaft und Vertrautheit ergriffen. Sie wollten nie wieder, keinen einzigen Augenblick mehr, ohne einander sein. Obwohl sie nicht einmal sagen konnten, was sie von einander wollten. Der bloße Liebesgenuss könne es ja wohl nicht sein.

Auch Zeus sah dies so und erbarmte sich. Er fand einen Ausweg: er schenkte den Liebenden die sexuelle Vereinigung – welche sie als “Schnittlinge” vorher nicht erfahren durften. So konnten die Menschen wieder – wenn auch nicht gänzlich – miteinander verschmelzen. Und das war ihr größtes Begehren: bis zum Tod und darüber hinaus mit ihrer besseren Hälfte eins zu sein.

Bis heute hat sich dieses Verlangen, den Partner fürs Leben zu finden, nicht geändert!

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