Date mit einer Feministin: Ist sie prüde im Bett?

Was bedeutet Feminismus genau?
Sind Feministinnen prüde?
Wenn es um Feminismus geht, kursieren viele Vorurteile und Klischees. Eines davon ist, dass Feministinnen prüde seien und folglich nur wenig, gar keinen und/oder schlechten Sex haben. Aber stimmt das?

Orgasm Gap und vorgetäuschte Orgasmen

Marie ist eine fiktive Person. Ich bin eine echte, die sich und viele andere Feministinnen kennt und ich sage, dass wir oft und viel über Sex sprechen. Ihn gerne haben. Es gibt auch Studien, die belegen, dass Ansichten und die Beschäftigung mit Sexualität sich auf das eigene Sexleben auswirken. Eine Studie mit 462 heterosexuellen britischen Teilnehmerinnen ergab, dass die Frauen, die zu antifeministischen Werten tendierten, in ihrem Leben häufiger so getan hatten, als wären sie gekommen, weil sie glaubten, dass der weibliche Orgasmus als Belohnung für Männer wichtig sei. Eine Studie der Indiana University stellte bereits 2009 heraus, dass 91 Prozent der Männer beim Sex kommen. Bei den Frauen hingegen waren es nur 64 Prozent. Dieses Phänomen nennt sich Orgasm Gap. Eine weitere Studie der Indiana University ergab, wie häufig Frauen beim Sex mit anderen Frauen zum Orgasmus kommen: nämlich in knapp 75 Prozent der Fälle. Das zeigt, beim Sex zwischen Frauen und Männern ist noch Luft nach oben.

Auch ich wusste nicht immer, was mir gefällt und worauf es ankommt. Das musste ich über die Jahre lernen, denn in unserer Gesellschaft wird uns oft ein falsches Bild von Sex vermittelt. Viele Mainstream-Pornos sind gewaltvoll und widmen sich nur der männlichen Lust. Sie vermitteln ein völlig unrealistisches Bild von Sex. Ähnliches gilt für Frauenzeitschriften. Diese sind noch immer überschwemmt davon, wie der Sex besonders heiß für ihn wird, ohne dass darauf eingegangen wird, wie wichtig es ist, seine eigenen Bedürfnisse und Grenzen zu kennen.

Sexualität ist kein Hochleistungssport

Als ich begann, mit Männern Sex zu haben, dachte ich, dass das jetzt sexuelle Befreiung und Selbstbestimmung ist. Denn: Ich durfte das haben. Sex vor der Ehe, ohne Konsequenzen, mit unterschiedlichen Männern. Zumindest so halb: Gesellschaftliches Stigma kann man natürlich trotzdem immer noch fürchten.

Ein paar Jahre später musste ich feststellen, dass ich mich geirrt hatte. Lange dachte ich, der männliche Orgasmus sei wichtiger als mein eigener. Er sollte auf jeden Fall zum Höhepunkt kommen. Ich kannte meine Bedürfnisse nicht gut und habe auch nicht für mich eingestanden. Als ich das endlich verstanden hatte, konnte ich daran etwas ändern. Ich spreche jetzt über Wünsche und Ängste. Mir ist nichts mehr peinlich und wenn doch, spreche ich es an. Sexualität ist kein Hochleistungssport. Niemand muss sich beweisen.

Ich höre meinen Sexpartnern und Sexpartnerinnen zu. Schaue ihnen in die Augen. Wir lachen zusammen. Jetzt habe ich für mich und gemeinsam mit anderen Sex. Vorher dachte ich bloß, dass dem so sei. Aber ich war weder mündig genug dafür, noch sind die gesellschaftlichen Strukturen dafür ausgelegt. Das muss Frau sich selbst erarbeiten.

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