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Jeder Tag ein Protest?

Eine rassistische Welt

Doch ich war unwissend. Ich glaubte, wir lebten in einer Welt, in der es keinen Rassismus mehr gibt und keine Homo-, Bi- und Transphobie. In der Schule wurde uns von Rassismus und der Trennung zwischen Schwarzen und weißen Menschen in den USA berichtet und von der Apartheid in Südafrika. Aber die Botschaft war vor allem, dass all das in der Vergangenheit liegt.

Die Ereignisse in Hanau, Halle, Kassel, usw. lehren uns alle mal wieder etwas anders.

Ich bin in einer Welt groß geworden, in der eine Frau deutsche Kanzlerin ist und ein Schwarzer Mann amerikanischer Präsident war. Meine weiße, kleinstädtische Blase ließ in der Kindheit und Jugend nicht viel anderes „Wissen“ zu. Auf meinem Gymnasium gab es in meiner Stufe genau eine Person of Color (PoC). Er hatte Freunde. Er gehörte dazu. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass er vielleicht andere Erfahrungen macht. Wir hatten nie viel miteinander zu tun. Deswegen wusste ich es einfach nicht.

Ich hatte Freundinnen und Freunde mit Eltern, die in Russland oder Polen aufgewachsen sind. Eine meiner engsten Freundinnen hatte serbische Eltern. Ich habe nie bewusst unterschieden. Irgendwann musste ich aber leider lernen, dass andere Menschen das sehr wohl tun und was mich mein „White Privilige“ – die Tatsache, dass Menschen mit weißer Haut gesellschaftliche Vorteile haben, die andere nicht haben bzw. dass Menschen mit weißer Haut nicht aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden und Rassismus ausgesetzt sind – nicht hat sehen lassen. Ich hätte hinterfragen müssen, warum es keine Lehrenden of Color an meiner Schule gab und warum schätzungsweise allerhöchstens zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund hatten (ja, schreckliches Wort!).

Mathe hat nichts mit dem Geschlecht zu tun

Aber was ich immer war: ein Mädchen und dann eine Frau. Und ich dachte wirklich, dass Männer und Frauen gleichberechtigt wären. Das sagt ja schließlich auch das Gesetz. Geschlechterklischees und Rollen habe ich nicht wahrgenommen. Erst viel, viel später konnte ich einordnen, was ich als Mädchen und junge Frau erlebt habe.

Ein Beispiel dafür ist der Mathelehrer, der – als ich ihn um Hilfe bat – meinte, dass ich als Mädchen vielleicht einfach nicht schlau genug sei für Mathe und mit der Note vier (ausreichend) leben sollte. Zugegeben, Mathe und MINT-Fächer waren nie mein Ding, ABER ich hatte später Mathe im Abitur und mit einer zwei (gut) abgeschlossen.

Ein „geht nicht“ gab es nie für mich. Zudem: Sehr, sehr viele Frauen sind gut in diesen Fächern! Das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Als sich herauskristallisierte, dass ich gut im Schreiben bin und mit 14 Jahren begann, bei der städtischen Tageszeitung zu schreiben, schleimte sich oben erwähnter Lehrer bei mir ein.

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Über den Autor/die Autorin

Melina Seiler

Nachdem sie immer wieder von anderen so genannt wurde, bezeichnet sich Melina Seiler jetzt selbst als „Sexfluencerin des Vertrauens“ oder in seriös als sexpositive, intersektionale Feministin, Journalistin, Autorin, Speakerin, Podcasterin und Kolumnistin. Sie schreibt und spricht zu Feminismus (insbesondere zu Sexualität & Schönheitsidealen), LGBTQIA+ sowie zu Diversität und Diskriminierung allgemein. In ihrer Kolumne „Date mit einer Feministin“ schreibt sie für beziehungsweise über Vorurteile und Klischees, die über Feministinnen kursieren und erklärt was es mit dem Feminismus wirklich auf sich hat. Melina hat einen Bachelor of Arts in „Journalismus und Unternehmenskommunikation“. Aktuell absolviert sie ihr letztes Semester im Master „Journalistik und Kommunikationswissenschaft“ an der Uni Hamburg. Ihr Master Arbeit behandelt – wie soll es auch anders sein – die Frage, wie feministisch der Journalismus sein darf oder sogar sein muss. Mehr von Melina kann man in ihren Büchern „Was ich mal sagen wollte“, „LIEBEN & LEIDEN“ und „Kopf. Stein. Pflaster.“ lesen oder in ihrem Podcast „Sinnerfülltes Leben – Der Podcast über Femidings und Umweltbums“ hören.