Wenn der Partner ein Besserwisser ist

In der Transaktionsanalyse wird das mit der Dynamik zwischen dem Eltern-Ich und dem Kindheitstraum-Ich modellhaft erklärt. Aus dem gleichberechtigten Paar wird dann Papa, der seiner kleinen Tochter sagt, was richtig ist und wie man sich verhält, damit er sie liebt. Das klingt nicht nur fies, das ist es auch, schließlich ist Liebe freiwillig. Sich liebenswürdig und vertrauenswürdig verhalten gehört sicher dazu, doch wahre Liebe muss nicht verdient werden, sie kommt ohne Erwartungen aus.

Der Besserwisser will nicht nur Ihnen das Gefühl geben, dass Sie ohne ihn kaum lebensfähig wären, er will dafür auch Dankbarkeit. In dem Sinne, dass Sie seine guten Ratschläge auch umsetzen. Tun Sie das nicht, kratzen Sie an seinem Selbstbewusstsein und verärgern ihn. Denn er kann gar nicht anders, als es persönlich zu nehmen, dass Sie nicht auf ihn hören. Dass Sie möglicherweise eine eigene, andere Idee zur Lösung des Problems verfolgen, die auch nicht schlechter ist als seine, nur eben anders, lässt er dann nicht zählen. Er fühlt sich von Ihnen zurückgewiesen und genau an dieser Stelle kann es passieren, dass Sie einknicken und ihm doch Recht geben. Schließlich meinte er es ja nur gut und Sie möchten ihn dafür nicht verletzen. Sein Gefühl wird nämlich sein: “Was ich alles für Dich mache und wie ich mich für Dich einsetze – und Du weißt das überhaupt nicht zu schätzen!”

Das Problem dabei: Ziehen Sie keine Grenzen, bestätigen Sie ihn auf Dauer in seinem Verhalten. Warten Sie damit zu lange, wird er erst recht denken, Sie würden ihn nicht mehr lieben – denn sonst hätten Sie ihn doch vorher darauf hingewiesen! Manche Paare brauchen Jahre, um dieses Thema anzusprechen. In der Beratung habe ich erlebt, wie dann die Frau ihrem völlig überraschten (und sehr verletzten) Mann erklärte, sie empfände seine Besserwisserei als übergriffig und sie würde aggressiv, wenn er nur mit einer Erklärung ansetze. Es war höchste Zeit, etwas zu verändern!


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