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Warum Fragilizing Ihren Beziehungen schadet

Schon wieder ein neuer Beziehungstrend? Nein, sondern ein Phänomen, das wir alle bereits seit Langem kennen. Jana Seelig klärt auf, was es mit Fragilizing auf sich hat

Es ist Freitagabend. Mein Freund will unbedingt, dass ich ihn auf den Geburtstag einer seiner Arbeitskollegen begleite, aber ich will viel lieber zuhause bleiben und mir die neue Staffel „Orange Is The New Black“ auf Netflix ansehen. Anhand seines Tonfalls merke ich, dass er beleidigt ist, also mache ich gute Miene zum bösen Spiel, tausche die Jogginghose gegen ein schickes Kleid und hochhackige Schuhe, trage etwas Make-Up auf und begleite meinen Freund zu dem Geburtstag, auf dem ich mich zu Tode langweile, weil ich außer meinem Freund niemanden kenne. In Gedanken bin ich bei Piper Chapman und Alex Vause, den Protagonistinnen meiner liebsten Netflix-Serie – und ärgere mich darüber, dass ich schon wieder etwas getan habe, was ich nicht wollte, weil ich Angst hatte, meinen Freund zu verletzen, wenn ich statt ihn auf diese Party zu begleiten vor dem Fernseher geblieben wäre.

Wenn Sie dieses Phänomen kennen – zum Beispiel, weil Sie schon mal bei einem Umzug geholfen haben, auf den Sie so gar keine Lust hatten oder sich zu einem Kinobesuch mit Freunden überreden lassen haben, obwohl Sie Horrorfilme überhaupt nicht leiden können – dann haben Sie Bekanntschaft mit dem sogenannten Fragilizing gemacht. Das Wort leitet sich vom englischsprachigen „fragile“, also zerbrechlich ab und beschreibt die Angst, die sensible Menschen empfinden, wenn ihre eigenen Bedürfnisse von den Erwartungen anderer Personen abweichen.

Angst andere zu enttäuschen

Ich selbst wurde von klein auf dazu erzogen, meine eigenen Bedürfnisse hinten an zu stellen und es erst einmal anderen Menschen recht zu machen, bevor ich selbst an die Reihe komme. In späteren Jahren entwickelte ich sogar eine Angststörung, weil ich permanent in Sorge darüber war, ich könne mein Umfeld verärgern oder enttäuschen, wenn ich meine eigenen Bedürfnisse äußere oder ganz und gar durchsetze. Ich war diejenige, die bei Gruppenarbeiten in der Schule und später auch der Universität immer die Aufgaben übernahm, die sie zugeteilt bekam – auch wenn ich mich überhaupt nicht damit identifizieren konnte.

Später im Job stellte ich immer sicher, dass bereits alle Kollegen ihren Urlaub eingetragen hatten, bevor ich meinen eigenen Antrag einreichte, nur damit ich mit niemandem aneinandergeriet, der zur gleichen Zeit in die Ferien fahren wollte wie ich. Noch heute erwische ich mich dabei, wie ich private Pläne über den Haufen werfe, um unbezahlte Überstunden zu machen, während meine Kollegen unbeschwert und ohne schlechtes Gewissen in den Feierabend verschwinden, weil rein rechtlich gesehen niemand von uns verlangen kann, dass wir länger bleiben als in unseren Verträgen vereinbart. Auch das ist Fragilizing, schließlich will ich nicht, dass mein Chef mich für eine schlechte Angestellte hält, obwohl es mein gutes Recht ist, pünktlich Feierabend zu machen und meinen geplanten Freizeitaktivitäten nachzugehen.

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Über den Autor/die Autorin

Jana Seelig

Jana Seelig ist jung und schön, sie hat einen großen Freundeskreis, sie liebt ihren Beruf – und sie hat Depressionen. Es gibt Tage, an denen geht gar nichts. Dann muss sie sich oft gut gemeinte Ratschläge anhören, die zeigen, wie wenig ihr Umfeld eigentlich versteht, wie es ist, wenn man nichts mehr fühlt.