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Sind Kompromiss-Beziehungen der Tod der Liebe?

Können Kompromiss-Beziehungen gut gehen? Sind sie vielleicht sogar das Modell der Zukunft? Und wie steht es um Ihre Beziehung? Machen Sie den Test!

Machen wir ein kleines Gedankenexperiment. Sie sind in einer Partnerschaft? Prima. Dann schließen Sie jetzt die Augen, lehnen sich bequem zurück und stellen sich Folgendes vor: Sie hätten jetzt sofort die Möglichkeit, mit jedem Menschen auf dieser Welt, den Sie sich nur vorstellen wollen, zusammen zu sein. Ob Schauspieler, Musiker, Politiker oder Millionär, meinetwegen auch der schnuckelige Nachbar aus dem Haus nebenan. Oder denken Sie jetzt an Ihren Kollegen, mit dem Sie seit Jahren Büro an Büro sitzen und so einige Mittagessen und Weihnachtsfeiern verplaudert haben?

Egal, wen Sie jetzt in Ihren Gedanken haben, werfen Sie alle „ach, das ist doch unrealistisch“-Zweifel über Bord und stellen sich vor, nichts und niemand hält Sie und Ihren Schwarm davon ab, eine Beziehung zu haben und miteinander alt und glücklich zu werden. Er will Sie, Sie wollen ihn. So soll es sein. Also verlassen Sie Ihren aktuellen Partner und stürzen sich in diese neue Liebe. Was sonst.

Oder doch lieber nicht?

Ist doch alles Quatsch, denken Sie. Natürlich würde ich bei meinem Partner bleiben. Er ist ein guter Mann, wir kommen toll miteinander aus. Alles bestens.

Jetzt öffnen Sie Ihre Augen. Und wie ist es jetzt? Würden Sie sich immer noch für Ihren Partner entscheiden?

Wenn Sie diese Frage aus tiefsten Herzen mit einem innigen und überzeugten Ja“ beantworten, dann haben Sie diesen ultimativen Beziehungstest bestanden: Sie führen keine Kompromiss-Beziehung. Herzlichen Glückwunsch!

Oder können Sie sich auf solche Gedankenspiele gar nicht einlassen, sind zu pragmatisch und wissen natürlich, dass auch der Traumprinz seine Maleschen mit sich bringt? In einer Beziehung muss man immer irgendwelche Kompromisse machen. Er trägt den Müll raus und sie macht das Essen. Sie sagt wo es lang geht und er schweigt und macht mit. So ist das nun mal. Sagt man jedenfalls.

Kompromisse in der Beziehung sind etwas anderes als eine Kompromiss-Beziehung

Mit den Kompromissen in einer Beziehung ist das so eine Sache. Ja, klar, die Wünsche und Bedürfnisse beider Partner müssen nicht immer zu 100 Prozent übereinstimmen. Und dann muss man sich eben entgegenkommen, in der Mitte treffen, mal kann der eine seine Wünsche erfüllen, mal der andere. So kann es laufen. Aber das ist die Sache mit den Kompromissen in der Beziehung.

Der Richtige war gerade nicht verfügbar

Darum geht es hier aber nicht. Hier geht es darum, dass die Beziehung an sich ein Kompromiss ist. Wenn man mit dem aktuellen Partner zusammen ist, weil der eigentlich „Richtige“ nicht verfügbar war, weil sich gerade kein Besserer gefunden hat, weil man nicht gern allein ist und man lieber mit irgendjemanden zusammen ist, anstatt mit gar keinem, weil, weil, weil … Gründe für Kompromiss-Beziehungen gibt es viele.

Es war früher sogar das gängige Partnerschaftsmodell, die so genannte Vernunftehe. Der Kompromiss bestand dann darin, dass man zwar nicht die Liebe seines Lebens gefunden hatte, aber zumindest abgesichert war. Oder eben nicht allein (was in früheren Zeiten grundsätzlich despektierlich war). Es gab und gibt auch die Variante, dass die Eltern sagten, dass man (oder die Familien) zueinander passt (passen).

Kann das funktionieren? Ja, kann es. Tut es auch noch in vielen Ländern der Erde.

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Über den Autor/die Autorin

Christiane Lénard

Christiane Lénard studierte Psychologie und Soziologie und leitete seit 2010 die wissenschaftliche Abteilung von Parship. Als Matchmaking Expertin weiß sie alles darüber, wer mit wem und warum wie gut zusammenpasst. Ansonsten versucht die Wahlhamburgerin ihre beiden Kinder und ihren Ehemann davon zu überzeugen, wie großartig es ist, im Dauerregen spazieren zu gehen. Da dies in der Regel erfolglos bleibt, vertreiben Sie sich stattdessen die Zeit damit, skurrile Interior- und Designläden aufzuspüren.