Schatz, ich glaub’ wir wohnen zusammen

Ein kleiner Erfahrungsbericht vom versehentlichen Zusammenziehen, von Beziehungsmeilensteinen und überflüssigen Ratschlägen

Gemeinsam lieben, gemeinsam wohnen. Ein logischer Schritt in der Weiterentwicklung einer Beziehung. “Wir ziehen jetzt zusammen.” Für die meisten Paare ist dies ein echter Meilenstein, den sie mit ihrem ganzen Freundeskreis zelebrieren − beim Waschmaschine tragen in den vierten Stock, mit Kartoffelsalat, labbrigen Würstchen und dem ersten Beziehungskrach in der neuen Wohnung als Beilage.

Und dann gibt es noch die Paare, bei denen diese Formalität irgendwie unter den Tisch gefallen ist. Bereits seit Monaten scherzt eine gute Freundin, dass mein Partner “doch schon lange bei mir eingezogen” sei. “Was für ein Quatsch” habe ich jedes Mal gesagt. “Ja, aber sag ihm das bloß nicht”, habe ich gedacht. Wenn es darum geht, solche Meilensteine auszusprechen, wird mein Freund nämlich gerne schweigsam und schreckhaft. Bevor er also Angst vor Hochzeit, Kindern und Eigenheim bekommt, hab ich die Sache einfach weiterlaufen lassen. Nach zwei, drei Tagen bei mir, hat er sich sowieso immer gern in sein WG-Zimmer zurückgezogen.

Gegen die Regeln

Beiläufig habe ich vor einigen Monaten gesagt, dass es eigentlich überflüssig ist, dass er noch ein WG-Zimmer bezahlt, weil er manchmal auch einige Wochen gar nicht in der Stadt ist und den Großteil der übrigen Zeit bei mir. Weiter haben wir darüber nie gesprochen. Bis vor ein paar Tagen. In einem Nebensatz erwähnte er, er müsse noch mit seinem Mitbewohner sprechen. Erst als ich nachfrage, erfahre ich, dass er sein Zimmer gekündigt hat. Da ich annehme, dass er weder auswandern, noch in Zukunft im Zelt schlafen will, hab ich einfach nur gegrinst und unseren Meilenstein ganz für mich gefeiert. Und das ganz ohne Kartons schleppen, sein Hab und Gut passt nämlich fast vollständig in einen Koffer.

In all den Ratgebern liest man davon, dass nicht der eine zum anderen ziehen, sondern man gemeinsam in eine neue Wohnung ziehen soll, am besten auch mit neuer, bei einer Odyssee im schwedischen Möbelhaus erworbenen Einrichtung. An der gleichen Stelle wird diskutiert, ob man einen Putzplan braucht, ob man im Kopfstand pinkeln darf und ob auch in der gemeinsamen Wohnung jeder ein eigenes Zimmer braucht.

Gelassenheit statt Panik

Ihr wundert euch wahrscheinlich, warum ich so gelassen auf den heimlichen Einzug meines Freundes reagiere. Die Antwort ist: Ich kann labbrige Würstchen und Kartoffelsalat nicht mehr sehen und meine Waschmaschine steht im Keller.

Meine erste eigene Wohnung war gleichzeitig die erste gemeinsame mit meinem damaligen Freund. Wir haben die Wohnung zusammen ausgesucht und auch die Möbel. Mein Fazit: Du kennst einen Menschen erst, wenn du ihn um 5 Uhr morgens erlebt hast und weißt, dass er cholerisch auf nicht anständig geschnittene Ananas reagiert. Ach ja, und dann ist da doch noch ein Ratschlag: Männer übernimmt man nicht ohne Umwege aus dem Haushalt von Mutti. Niemals. Gescheitert wäre diese Beziehung auch ohne gemeinsame Wohnung, dann wahrscheinlich sogar noch ein bisschen früher.

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