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Schaden getrennte Wohnungen der Liebe?

Muss man zwingend zusammen leben, wenn man eine Beziehung führt? Julia Torner schreibt in ihrem Buch Living Apart Together: Zwei Wohnungen – Eine Liebe über die Vorteile dieses Beziehungskonzeptes. Ein Buchauszug

Erst Verliebtheit, dann Zusammenziehen, dann Ehe. Dieser Dreiklang wird in weiten Teilen der Gesellschaft noch immer als Norm betrachtet. Das liegt zum einen an eher konservativen, traditionellen Vorstellungen darüber, wie Beziehung zu sein hat, zum anderen daran, dass diese Abfolge noch immer der Klassiker und weit verbreitet ist. Paare hingegen, die bewusst nicht zusammen wohnen, obwohl sie längst über die Kennenlernphase hinaus sind, werden noch immer argwöhnisch, zuweilen sogar latent bemitleidend, als Exoten betrachtet. Man sollte meinen, dass neuartige Lebensentwürfe jenseits des mainstreams beim Gegenüber Neugier wecken, doch nachgehakt wird höchst selten. Die Motive und Gründe, warum Paare ihre Beziehung so – nämlich in verschiedenen Wohnungen und trotzdem glücklich – führen, werden nicht hinterfragt. Vielleicht aus Desinteresse, öfter aber vielleicht auch der Angst des Gegenübers geschuldet, mit Neuem konfrontiert zu werden, das die eigene Weltsicht ins Wanken bringen könnte.

Das sozialwissenschaftliche Phänomen des „Living Apart Together“ (kurz: LAT) beschreibt Paare, die zwar eine Beziehung miteinander führen, aber – auch nach längerer, verbindlicher Partnerschaft – ganz bewusst und freiwillig keinen gemeinsamen Haushalt haben, sondern in getrennten Wohnungen wohnen.

Das LAT-Arrangement bietet Paaren eine ganze Reihe von Vorteilen. „Eskalations-Klassiker“ des Alltags, die viele Paare streiten lassen, fallen komplett weg: Einkauf? Spülmaschine ausräumen? Müll runterbringen? Fenster putzen? All diese Banalitäten sind kein Thema, da natürlich erstmal jeder für sich und seinen Haushalt zu sorgen hat. Es besteht keine Notwendigkeit für Kompromisse in Alltagsdingen. Natürlich können Zahnpastareste und offene WC-Deckel noch immer für Unmut sorgen, doch aufgrund der eigenen Wohnung ist der Andere zwar möglicherweise sehr oft da, aber immer auch noch irgendwie „der Besucher“. Negativ empfundene Angewohnheiten des Partners werden so zumindest nicht zu einer täglichen Herausforderung, die ansonsten nämlich oft dazu führt, dass die Partner die liebenswürdigen Seiten aneinander kaum noch wahrnehmen und unbewusst vielmehr nur das sehen, was sie am Anderen nervt.

Oft beklagen sich Scheidungspaare darüber, zu wenig Zeit und Raum für sich selbst gehabt zu haben. Das ständige Zusammensein hat mitnichten zu mehr Nähe geführt, sondern – durch die Unausweichlichkeit, die Alternativlosigkeit – eine Art Schwere mit sich gebracht. Bei LAT-Paaren ist das ganz anders. Man verabredet sich und ist dann mit dem anderen Menschen zusammen, einfach, weil man es in diesem Moment möchte. Völlig ungezwungen und unabhängig von räumlichen Zusammenhängen. Das bringt eine große Leichtigkeit mit sich. Die individuelle Freiheit bekommt dabei den so wichtigen Platz im Beziehungsgeflecht eingeräumt, den sie braucht. Beide pflegen deutlich freier eigene Freundschaften und Interessen außerhalb der Paarbeziehung, als sie es täten, wenn sie mit dem Partner zusammenwohnen würden. Das wiederum sorgt für mehr „Leben“ in den Beziehungen, mehr Gesprächsstoff, und: Partner, die eine Balance zwischen eigenem Leben, Interessen, Freundschaften einerseits und einer harmonischen, verbindlichen Beziehung andererseits pflegen, sind füreinander attraktiver.

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Über den Autor/die Autorin

Julia Torner

Julia Torner, Jahrgang '76, ist eine waschechte "Hamburger Deern". Sie studierte Rechtswissenschaften und lebte nach dem Studium 10 Jahre im Rheinland, bevor sie nach Berlin zog. Vom Großstadtflair inspiriert, begann sie, sich für die Themen "digitale Nomaden", new work, Ernährung, Reisen und Persönlichkeitsentwicklung zu interessieren. Dabei entdeckte sie die Freude am Schreiben.