Wie Männer und Frauen Schluss machen

Wann ist ein Mann ein Mann? Und wie unterscheidet er sich von der Frau? Evelyn Holst und York Pijahn gehen Geschlechtsunterschieden beim Schlussmachen auf den Grund. Ein Buchauszug

Sie sagt:

Schlussmachen, egal ob aktiv oder passiv, ist ein heikles Thema. Ein unangenehmes. Eins, auf dem ein Berg aus Schuldgefühlen, Verdrängung und Ungeschicklichkeit liegt. Es gibt keine goldene Regel. Was immer man sagt, wie immer man sich verhält, es fühlt sich verkehrt an. Es tut weh. Und zwar auf beiden Seiten. Obwohl Schlussmachen fast immer einseitig ist. Selten kommt es vor, dass einer sagt: »Du, ich mag irgendwie nicht mehr«, und der andere erwidert: »Mir geht es ganz genauso, Schatz«. Dass einer noch liebt, aber im anderen »die Flamme erloschen ist«, macht die Sache so schmerzhaft und kompliziert.

Und obwohl wir Frauen ja eigentlich die Sensibleren und Empathischeren sind, es uns auf jeden Fall einbilden, ist unser Schlussmachen oft brutaler, weil ehrlicher und gnadenloser. Was vermutlich daran liegt, dass Männer in Gefühlsdingen oft sehr schwer von Begriff sind. Und man deswegen als Frau die verbale Keule herausholen muss. Weil man auf ein einfühlsames »Du, vielleicht sollten wir beide mal eine kleine Auszeit nehmen. Ein wenig Abstand würde uns guttun. Vielleicht sogar ein etwas größerer …«, ein »Wovon sprichst du? Läuft doch alles super«, hört. Super?, denkt man dann als Frau. Wir reden kaum, weil du immer zu kaputt bist oder lieber mit deinen Kumpels um die Häuser ziehst. Beim letzten Mal bist du beim Sex auf mir eingeschnarcht, was ich zuerst gar nicht merkte, weil ich vor dir eingeschlafen war. Dich macht ein zerknautschtes Sofakissen verrückt, mich dagegen, dass du mir kürzlich deine gebrauchte Zahnbürste mit den Worten »Damit kriegst du die Kachelzwischenräume super-sauber« in die Hand gedrückt hast. Läuft wirklich super!

Folgende, gut gemeinte Sätze sind bei Trennungsgesprächen unbedingt zu vermeiden:

• »Es liegt nicht an dir, es liegt an mir.«
• »Lass uns Freunde bleiben.«

• »Du hast etwas Besseres verdient.«
• »Ich hab im Moment so viel mit mir selbst zu tun.«
• »Man trifft sich ja immer zweimal.«
• »Ich bin einfach noch nicht reif genug für eine Beziehung.«

Er sagt:

Denn frisch verlassene Männer leiden. Und zwar: wie Sau.

Woran liegt das? Männer werden immer plötzlich verlassen. Auch wenn sich die Trennung seit Wochen oder Monaten ankündigt. Und das liegt daran, dass wir anders als Frauen die Fähigkeit zum optimistischen Ausblenden haben. Wir sehen den Trennungs-Tsunami am Horizont, bestellen uns aber trotzdem noch einen Cuba libre und rufen: »Na das ist doch mal ein Wetterchen! Und da vorne kommt sogar eine tolle Welle!« So sitzen wir am Strand unseres Lebens.

»Da muss das Wort ›Ignoranz‹ stehen, nicht ›optimistisches Ausblenden‹!«, sagt meine Freundin. Doch optimistisches Ausblenden ist nur die halbe Wahrheit über die Denkweise des Mannes, kurz bevor er verlassen wird. Die ganze Wahrheit ist, dass wir zwar die Zeichen sehen, tief drinnen aber glauben, dass wir uns herauslavieren können, mit ganz vielen »Ach Baby!«, »Gib uns doch ’ne Chance« und »Ich kann mich ändern«. Mein Freund Stulli, der sich, seit ich ihn kenne, von Halbjahresbeziehung zu Halbjahresbeziehung hangelt, hat dafür ein Wort erfunden: männliche Laber-Power. Wir vertrauen auf die männliche Laber-Power. Sie hat uns schließlich auch geholfen, als wir unsere Freundin kennengelernt haben. Und wir ihr all diese coolen, halb wahren Sachen über uns erzählt haben: was für weitgereiste, vielsprachige, toll kochende Typen wir sind, wie verliebt wir sind, dass wir unsere Exbeziehung schon spitzenmäßig verarbeitet haben. Was für spannende Leben wir führen, an denen die Frau von jetzt an teilhaben darf.

Dass die Laber-Power jetzt – im Moment der Beziehungskrise – versagt, ist ein Stiefeltritt ins Gesicht. Unsere Tricks funktionieren nicht mehr. Wir sind nicht allein. Sondern wir sind plötzlich ganz allein. Stellen Sie sich ein Kind vor, das die Eltern beim Ausflug in den Safaripark in Schloss Holte-Stukenbrock plötzlich an einem Mülleimer anketten und zu dem sie in die Hocke gehend sagen: »Du, tschüssi, wir können das so einfach nicht mehr, Beziehung und so, ich glaube es ist Zeit zu gehen, man sieht sich.« Das tut weh. Wie Sau.

Oh boy oh girl_CoverOh Boy, oh Girl!
Evelyn Holst und York Pijahn
ISBN: 978-3-442-17584-0
Verlag: Goldmann

 

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