Meine Katze brachte mir diesen „Beziehungskram“ bei

Zugegeben, das klingt im ersten Moment komisch. Aber tatsächlich kann man viel von Katzen über das Verhalten in Beziehungen lernen

Zugegeben, das klingt im ersten Moment komisch. Aber tatsächlich kann man viel von Katzen über das Verhalten in Beziehungen lernen

Ich bin ein verrückter Katzenjunge. Ja, sowas gibt es. Mein stereotypes Bild von katzenverrückten Menschen ist immer das der Katzenlady bei den Simpsons. Genau genommen wollte ich nie eine Katze. Trotzdem erklärte ich mich bereit, für unbestimmte Zeit auf die Katze meiner Mutter aufzupassen.

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Sehr schnell merkte ich, dass ich sie gar nicht mehr hergeben wollte. Sie ist weiß, flauschig und heißt Flocke – bei dem Namen hat sich meine Schwester selbst übertroffen.

Liebe und Zuneigung muss man einfordern. Vorher aber erst mal verdienen. Das weiß Flocke sehr gut und ich als Junior Katzenjunge jetzt auch. Liebe auf den ersten Blick war es wohl nicht. Vorsichtig erkundete sie die Wohnung, wobei ich vollkommen uninteressant war. Eher ein komischer Kauz, in dessen fremder Umgebung sie nun hausen musste. Sie maunzte viel, allerdings nur, wenn sie mich nicht sehen konnte. Vorzugsweise nachts um vier.[/column] [column size=”1/2″]

[/column] [/columns] Das Futter brachte uns allerdings schnell näher. Ähnlich wie bei einem Date: Beim ersten Treffen geht man meist schick essen, denn Liebe geht durch den Magen. Zugegeben, es war kein 5-Sterne Candle-Light-Dinner, aber Kaninchen an Gartengemüse kommt dem schon recht nahe. Wir wurden uns sympathisch. Langsam. Schließlich stürzt man sich nicht einfach Hals über Kopf in so eine Beziehung, wenn sie längerfristig halten soll.

Man muss sich erst beschnuppern

Ich muss dazu sagen, dass ich selten bei meiner Mutter zu Besuch war, da sie sehr weit weg wohnt, somit konnte ich Flockes Vertrauen vorher noch nicht wirklich gewinnen. Ich war ihr nicht fremd, aber sie vertraute mir trotzdem nicht auf Anhieb. Das änderte sich schnell, als ich mich daran machte, ihr Katzenklo zu reinigen. Jemand, der auch unangenehme Dinge für einen tut, muss einfach ein netter Mensch sein. Schnell schloss ich die kleine Maus ins Herz. Ich glaube, sie mich auch.

Flocke hat Computerverbot. Scheint sie auch nicht zu stören. Denn wen interessiert schon so ein Laptop? Richtig: niemanden! Es sei denn jemand arbeitet daran. Schwupps ist es unmöglich zu tippen, weil sich ein riesiges, weißes Flauschknäuel auf der Tastatur breitgemacht hat. Grenzen austesten, das ist die Devise. Wie in einer Beziehung: Was darf man, was darf man nicht? Natürlich, das muss man erst mal abstecken. Klare Strukturen sind wichtig für eine enge Bindung. Mit manchen Dingen muss man einfach klar kommen. [columns] [column size=”1/2″]

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Ich schiebe Flocke meistens einfach nur näher zu mir, um wenigstens – wenn auch umständlich – an die Tastatur zu kommen. Ich sollte strenger sein, wenn sie ihre Grenzen überschreitet. Aber wenn sie mich dann mit ihren großen blauen Augen anschaut, kann ich ihr nicht böse sein.

Spielzeug hat Flocke massig. Aber sie spielt nicht damit. Es ist viel schöner, wenn ich sie bespaße. Ab und zu ist auch mein Handy-Ladekabel ein sehr gutes Spielzeug. Aber nur so lange, bis sie meine vollste Aufmerksamkeit hat. Wichtig ist also, dem Partner genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Das Geld für Spielzeug hätte ich mir sparen können.[/column] [/columns]

Keine Beziehung kann ohne Zuneigung überdauern!

Trotzdem stelle ich fest: Egal, ob man Geld hat oder nicht, solange man mit seiner liebevollen Persönlichkeit punkten kann. Es sind die kleinen Dinge im Leben, die einem zeigen, dass man gemocht wird. Flocke begrüßt mich beispielweise jedes Mal, wenn ich heim komme direkt in der Wohnungstür, als wolle sie sagen “schön, dass Du wieder da bist”.

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Wenn Flocke keine Lust auf mich hat, dann ist sie einfach nicht da. Das ist okay. Jeder braucht seinen Freiraum. Sonst fühlt man sich schnell eingeengt und erdrückt. Sie hört aufs Wort. Aber nur, wenn sie weiß, dass sie davon einen Vorteil hat.  Sie schmust, wenn es ihr passt – das ist ziemlich häufig. Sie schläft, wenn es ihr passt. Sie spielt, wenn es ihr passt. Sie bestimmt das Fernsehprogramm.

Jegliche Animationsversuche meinerseits scheitern, wenn sie keine Lust hat. Das hab ich inzwischen auch eingesehen. Muss man wohl auch, denn es gibt nichts schlimmeres, als zu versuchen jemanden zu ändern. Das macht niemanden glücklich und sorgt nur für Stress. Bindungen verstärken sich dadurch, dass man die Fehler des anderen toleriert und akzeptiert.[/column] [column size=”1/2″]

Ein von @__jalu__ gepostetes Foto am

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Schlussendlich ist die “unbestimmte Zeit” vorbei. Flocke lebt trotzdem noch bei mir. Ich wollte das kleine Plüschtier nicht mehr hergeben. Die Unmengen an Flusen in der ganzen Wohnung, das Meckern nachts um vier, das Bücherregal, das sie von der Wand gerissen hat, all das nehme ich gern in Kauf. Denn mit ihrer charmanten Persönlichkeit macht sie das alles wieder wett.

Was hat Flocke mir also beigebracht? Eine längerfristige Bindung braucht Zeit und muss langsam wachsen, bis man sich so gern hat, dass man sich nie wieder trennen will.

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