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Hält Liebe mehr Unterschiede aus als Freundschaft?

Aus platonischen Bindungen weiß man: Gegensätze können  bereichernd wirken. In Beziehungen sind Kontraste jedoch eher selten

Fast alle Menschen streben in ihrem Leben nach sozialer Harmonie. Und was tut man, wenn man sich mit jemandem ein grundsätzlich harmonisches Verhältnis wünscht? Man versucht, von Anfang an eine gemeinsame Basis zu finden. Daher geht man besonders in Sachen Freundschaft intuitiv eher Bindungen mit Menschen ein, die einem auf vielen Ebenen ähneln. Klar, denn so lassen sich bestimmte Konflikte von vornherein vermeiden – beispielsweise aufgrund gegensätzlicher politischer Haltungen, Bildungsstand, körperlicher Gegebenheiten oder finanzieller Mittel. Jemand, der tickt wie man selbst, in den gleichen Kreisen unterwegs ist und einen ähnlichen Lebensstil pflegt, wird vermutlich weitaus eher ein enger Freund als jemand, dem man seine Weltanschauungen und Empfindungen erst groß erklären muss. Das lässt sich vor allem mit zunehmendem Alter beobachten.

Der soziale Lauf des Lebens

In der Schulzeit spielte das alles noch keine große Rolle. Hier war es ganz natürlich, sich einfach nur deshalb mit Melanie aus der 6c zum Spielen zu verabreden, weil man im Flötenkurs zufällig nebeneinander gesessen hatte. Manche dieser Freundschaften existieren auch nach vielen Jahren noch und sind häufig diejenigen im Leben, die sich durch die größten Kontraste auszeichnen. Doch auch wenn manch einer plötzlich Kinder bekommt, einen folgenschweren Unfall erleidet oder sich sein Leben auf sonst eine andere Weise gravierend verändert, können diese platonischen Bindungen Bestand haben. Und eins machen sie besser als Freundschaften unter ähnlichen Typen: Sie sorgen bei beiden Beteiligten für Denkanstöße, zeigen andere Sichtweisen auf und sind somit besonders bereichernd.

Wie viel Unterschied hält die Liebe aus?

Wenn platonische Bindungen unter Menschen mit bedeutenden Unterschieden zwar seltener, aber dafür häufig sehr innig sind – wie verhält es sich dann in romantischen Beziehungen? Sind die sich sprichwörtlich anziehenden Gegensätze in Partnerschaften für die Ewigkeit gemacht oder kommt man im gemeinsamen Leben langfristig auf keinen grünen Zweig? Mit Blick auf das persönliche Umfeld kann wohl jeder sagen: Es gibt mehr Paare mit ähnlichem Alter, gleicher Hautfarbe, vergleichbarem Bildungsstand als jene, die sich in einem oder mehreren Punkten deutlich unterscheiden. Auch hier liegt die Begründung zum einen im Streben nach Harmonie durch übereinstimmende Voraussetzungen. Zum anderen findet man die Liebe (zumindest offline) ja meist irgendwo, wo man sich mit Gleichgesinnten umgibt – während der Ausbildung, im Fitnessclub oder am Arbeitsplatz zum Beispiel.

Der kleinste gemeinsame Nenner zählt

Dabei ist es gar nicht so entscheidend, dass man sich unbedingt für die gleichen Dinge begeistern kann. Manche Partner könnten unterschiedlicher nicht sein und finden im anderen ihre perfekte Ergänzung. Weil ihre Harmonie auf grundlegendster Stufe funktioniert, weil sie die gleichen Werte teilen, eigenen Leidenschaften und Interessen nachgehen können und am Abend trotzdem gern zum anderen nach Hause kommen. Es ist das Grundgerüst, das stimmen muss – und manchmal erschließt sich das eben nicht auf den ersten Blick. Auch wenn es im schnelllebigen Dating-Dschungel oft so scheint, entscheiden am Ende weder die Lieblingsband noch Ernährungsvorlieben oder eine bestimmte Studienrichtung über das Gelingen einer Partnerschaft. Es lohnt sich also, den Blick hinter das Offensichtliche zu werfen und sich auch mal über scheinbare Grenzen hinwegzusetzen. Mit einer großen Portion Offenheit kann das vielleicht zu einer Liebe führen, die langfristig harmonisch und erfüllend ist. Am Ende zählt das Herz – seine Farbe ist egal, solange es im selben Rhythmus schlägt.

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