Führt Ungleichheit der Partner zu mehr Untreue?

Weil er neidisch ist auf die guten Eigenschaften seiner Frau sucht er in Seitensprüngen eine Flucht vor dem Neid. Unsere Autorin über einen Mann, der aus Neid fremdgeht.

Leicht zu findende Affären machen das Fremdgehen einfacher

Als ich das erste Mal mit einer anderen Frau geschlafen habe, war ich erstaunt, wie mich das erhebt. Ich habe mich tatsächlich Elena ebenbürtiger gefühlt. Es gibt doch diesen Sketch von Loriot, wo die Frau ein Jodeldiplom macht und darauf stolz ist wie Bolle und ihr Mann auch, dass sie nun etwas Eigenes hat. So ähnlich geht es mir.

Der außereheliche Sex ist quasi mein Jodeldiplom. Dafür muss ich mich nicht einmal sonderlich anstrengen.

Ich habe es leicht mit Frauen, ich gelte als sehr attraktiver Mann, ich muss mich nicht ins Zeug legen, damit eine mit mir ins Bett geht. Und ich bin gut im Bett, das darf ich von mir sagen, das habe ich schon so oft gehört, dass es wahr sein muss. Auch hier bin ich Elena in keiner Weise überlegen, wie ich schon sagte, sie ist eine Eins auf den Laken.

Gibt es den Ausweg aus der Betrugsspirale?

Man könnte sich fragen, warum ich, da ich mich sehr gut durchschaue, meine Frau betrüge und nicht eine andere Weise finde, eine erwachsenere und anständigere, mit meiner Unterlegenheit umzugehen. Ich könnte zum Beispiel eine Therapie machen.

Denn es besteht schließlich jederzeit die Gefahr, dass mein Doppelleben auffliegt, dass Elena mitbekommt, was ich treibe. Dann verliere ich mein eigentliches Leben, mein richtiges und wichtiges und wunderbares Leben. Es steht sehr viel auf dem Spiel.

Vielleicht bin ich schlicht zu faul, um an mir zu arbeiten, ich weiß es nicht. Vielleicht gefalle ich mir in der Rolle des armen Mannes mit der perfekten Frau, der unter ihrer Perfektion leidet. Ich empfinde mich als extrem ungerecht gegenüber Elena. Ich habe sie nicht verdient.

Und dennoch, wenn ich mal wieder eine Frau erobert habe und sie mir in den Ohren liegt, was für ein sensationeller Liebhaber ich bin, spüre ich den Neid für einen Moment nicht mehr. Das hält leider nicht lange an. Ich muss nachlegen. Ich habe oft ein sehr schlechtes Gewissen, ich finde mich regelmäßig selbst zum Kotzen. Für Elena und für mich wünsche ich mir, dass diese Betrügerei unsere Ehe nicht immer begleitet, dass ich davon loskomme, dass ich den Neid überwinde, dass ich morgens aufwache, und der Stachel des Neides ist einfach weg.

Beichten oder mit der Lüge leben?

Manchmal habe ich schon daran gedacht, dass ich Elena alles erzähle. Doch ich glaube, ich bin längst zu weit gegangen, was ich getan habe, das ist einfach zu schlimm, kein Ausrutscher, sondern Betrugs-Routine, es ist nicht mehr zu verzeihen. Manchmal glaube ich auch, dass ich mich unbewusst danach sehne, dass meine Frau mich verlässt, damit ich dort lande, wo ich eigentlich hingehöre. Nämlich in eine andere Liga als jene, in der Elena spielt, ganz weit darunter.

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