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Willst Du mich oder mein Geld? – Wie Reichtum eines Partners die Liebe gefährdet

Ich schwieg. Ich merkte, wie sich meine Miene verdüsterte. Jan sah mich an und konnte meine Gedanken lesen, da war plötzlich ein Abgrund zwischen uns, schrecklich. Eisiges Schweigen. Jan hat die Kurve gekriegt, er hat einen Witz gemacht und gesagt, am liebsten fahre ich mit dir Bus, und ich wusste, ja, er meint das ernst, mach dich locker, Silvia. Du vertreibst Jan mit solchen Momenten, sie vergiften schleichend eure wundervolle Beziehung. Das ist der Anfang vom Ende.“

Jan ist sicher: Er würde Silvia auch lieben, wenn sie arm wäre

Silvia liegt mit ihrer Befürchtung richtig, solche Schwankungen in der Harmonie hängen Jan lange nach, er sagt es bloß nicht. Und er versteht Silvia sogar, er ist sensibel und gleichermaßen pragmatisch. Es ist ihm klar, dass viele Männer scharf auf Silvias Vermögen wären, die Welt ist ungerecht, er kann ihre Ängste nachvollziehen.

Jan hat sich auf Herz und Nieren geprüft, was sein Verhältnis zu den Millionen seiner zukünftigen Frau angeht. Er würde dafür die Hand ins Feuer legen, dass er Silvia auch lieben würde, wenn sie arm wie eine Kirchenmaus ist. Was ihn außerdem beruhigt: Er hat schon mit Silvia besprochen, dass er Wert auf einen Ehevertrag legt, in dem er von allen Rechten abtritt, so dass klar ist, dass er kein Interesse hat, am Reichtum von Silvia zu profitieren.

Das Dilemma: Er hat etwas von ihrem Geld, auch wenn er das gar nicht will

„Das Problem ist, und das ist ein richtiges Problem, dass ich mir nichts vormachen kann, darf und will, auf eine gewisse Weise profitiere ich natürlich am Geld von Silvia. Meine finanzielle Zukunft sieht an ihrer Seite einfach anders aus als wenn ich mit einer Frau verheiratet wäre, die nicht vermögend ist. Mit der hätte ich ein Reihenhaus, das wir abzahlen würden, mit Silvia wohne ich in einer Villa und zwar in der, in der Silvia jetzt schon lebt. Na klar, ich kann sagen, komm, wir ziehen woanders hin, wir bauen, aber wäre das nicht völlig bescheuert? Silvias Haus ist schön, es ist ein Stadthaus, es hat einen riesigen Garten und liegt außerdem noch am Park, wir sind mitten in der Stadt und schnell im Kino oder im Theater oder im Einkaufszentrum.

Wenn wir Kinder haben, werden diese quasi trotz der zentralen Lage in der Natur groß. In dem Viertel, in dem die Villa liegt, gibt es exzellente Schulen, Privatschulen, ich bin sicher, dass Silvia unsere Kinder auf solche Schulen schicken möchte, und ich möchte das auch. Ich könnte es mir allerdings nicht leisten. Ich bin hier also auf Silvia angewiesen. Okay, wir haben noch keine Kinder, doch wir wollen unbedingt welche, am liebsten vier und am liebsten bald. Wie könnte ich nicht wollen, dass unsere Kinder nur das Beste bekommen? Weil ich zu stolz bin, die Privilegien zu genießen, die Silvias Status uns bietet? Sozusagen als Liebesbeweis auf etwas verzichten, was uns als Familie zugute kommt?

Silvia sagt ja auch, komm Schatz, wenn ich mir die Unsummen selbst hart erarbeitet hätte, könnte die finanzielle Ungleichheit zwischen uns belastend sein, aber das Geld ist mir in den Schoß gefallen. Das ist ein Geschenk. Das sagt Silvia in den guten Stunden, und 90 von 100 Stunden sind gut mit ihr, doch manchmal kommen eben die Zweifel, dann zweifelt sie an mir, und die Zweifel pflanzen sich in mir fort. Ich glaube, dass das auch daran liegt, dass Silvia nicht so selbstbewusst ist, wie sie sein könnte bei ihrem Aussehen und ihrer Persönlichkeit.

Vielleicht liegt hier der Kern unserer Konflikte, dass Silvia generell nicht glauben kann, dass einer sie liebt, geschweige denn um ihrer selbst willen. Sie ist zwar reich, aber sie ist keine verwöhnte Prinzessin. Ihr Vater hat ihr immer viel abverlangt, Liebe lief nur über Leistung. Ich vermute, dass Silvia deshalb einfach kein Vertrauen darin hat, dass einer zu ihr „Ja“ sagt, ohne dass sie sich ins Zeug legen muss.

Ich habe Silvia gesagt, dass die Unschuld in dieser Sache von ihr ausgehen muss, sie muss sich vertrauen und mir vertrauen. Dieses Misstrauen, das manchmal da ist, könnte unsere Liebe zerstören, erst zerstört es mein Vertrauen in mich selbst, wenn einem regelmäßig ein Misstrauensvotum ausgestellt wird, wird man unsicher in der Liebe, dann nagt es weiter an Silvias Vertrauen in sich und in mich, und am Ende stirbt unsere Liebe. Ein fataler Kreislauf.“

Silvias Angst hat eine Stellvertreterfunktion

Vor diese Aussicht, dass die Beziehung ernsthaft auf dem Spiel steht, hat Jan Silvia gestellt und sie gebeten, sich psychologische Unterstützung zu holen, eine Therapie zu machen. Silvia ist sofort damit einverstanden, sie ist heilfroh, dass sie aktiv werden kann, sie möchte unbedingt mit Jan zusammenbleiben und ihre Liebe einfach leben. Sie gesteht: „Ich war schon als Kind ängstlich, dass die anderen Kinder nur mit mir spielen wollen, weil ich reich bin.“

„Ich kann mir vorstellen, dass meine Angst, Jan könnte auf mein Geld aus sein, eine Stellvertreterfunktion hat, dass ich eben so oder so in Sorge bin, dass ich allein nicht genug bin, dass ich etwas vorweisen muss, um geliebt zu werden, dass ich dafür einen Preis zahlen muss. Genau, das mit dem Preis bringt die Sache auf den Punkt. Ich kenne das von mir, das hat mich mein ganzes Leben begleitet: Komplexe, Ängste, Zweifel. Ich denke selten, dass mich jemand einfach mag, weil ich bin, wie ich bin. Vielleicht hilft mir eine Therapie, meinen inneren Reichtum zu entdecken und einfach anzunehmen, dass ich um meiner selbst willen geliebt werden. Die Therapie ist eine große Chance für Jan und mich.“

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Über den Autor/die Autorin

Birgit Ehrenberg, geboren 1962, ist Journalistin und studierte Philosophin. Sie begleitet und unterstützt Menschen mit ihrer Expertise in existenziellen Fragen zur Liebe und ist seit vielen Jahren erfolgreiche Autorin zum Thema. Auf beziehungsweise führt die Liebesforscherin mit Paarberater Eric Hegmann regelmäßig Gespräche über das Wesen der Liebe.