Was macht Romantik wirklich mit uns? 3 Mythen über Romantik in der Überprüfung

2. Mythos: Frauen sind romantischer als Männer

Gemeinhin gelten Frauen als romantisch und Männer als auf diesem Auge blind. Ist das so? Generell lässt sich natürlich sagen, dass Frauen für das Thema „Gefühle“ ganz allgemein empfänglicher sind als Männer. Das heißt nicht, dass Männer weniger empfinden, sondern nur, dass sie weniger darüber (zu) reden (gelernt haben). Das liegt vor allem an unserer Sozialisation und dem Rollenbild, das wir grundsätzlich von Frauen und Männern haben. Auch wenn sich dieses Bild im Laufe der Jahre zum Glück verändert hat, immerhin dürfen auch echte Kerl jetzt weinen, haben Frauen wegen des generationenübergreifenden Trainings einen gewissen Vorteil in dieser Sparte. Außerdem scheint es so zu sein, dass Frauen auch generell empfänglicher sind für derartige Symboliken. Dies spiegelt sich auch in den Medien wider, allen voran die Vielzahl der Frauenjournale mit gefühlslastigen Inhalten. Dabei wird nicht nur auf eine gewisse Empfänglichkeit der Frauenwelt für diese Themen hingewiesen, sondern diese wird durch die recht traditionelle Themenanhaftung geradezu befeuert. Männer, denen natürlich nicht entgeht, dass Frauen dies offenbar anzusprechen scheint und die gewillt sind, ihrer Frau etwas romantisches zu bieten, greifen also auf die bewährte Rosenbettmethode zurück. Da kann nichts schief gehen. Tut‘s meistens auch nicht. Er hat sich doch so viel Mühe gemacht. Wie romantisch.

Letztlich ist es eine, meiner Meinung nach, recht reaktionäre Verkettung verschiedener Einflüsse, die uns das Bild der romantischen Frau und des pragmatischen Mannes vermittelt. Zum Glück zeigt uns der Alltag und unser Umfeld aber auch, dass Männer durchaus sehr romantische Ideen entwickeln können und dabei auch kreativ werden. Und das weit ab von Sonnenuntergang und Kitsch. Ich finde sogar, dass sie oft viel enthusiastischer an die Sache gehen und mehr riskieren. Im Gegenzug dazu ist das weibliche Geschlecht, aus oben genannten Gründen, zurückhaltender, um ihn mit Romantisierungen nicht zu überfordern. Nicht dass er denkt, sie hätte einen Hang zur kitschigen Verklärung. Eigentlich doch schräg, oder?

Unterm Strich ist es keine Frage des Geschlechts, sondern der Individuen. Die Unterschiede zwischen ihnen sind nämlich viel größer als die zwischen Männern und Frauen. Einzig die Ausdrucksmöglichkeiten sind andere. Denn wenn es um den Wunsch nach einer tiefen Verbindung zum Partner geht, stehen sich Männer Frauen in nichts nach. Ob dieser Wunsch nun in einem gemeinsam erlebten Sonnenuntergang oder bei einer nächtlichen Kanutour ausgelebt wird, ist letztlich vollkommen egal. Romantik entsteht allein in unseren Köpfen.

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