Liebe ist auch nur Mathematik. Oder?

Für Romantiker: Mathematikerin Hannah Fry analysiert Liebesformeln. Mit verblüffenden Ergebnissen, die dann doch ans Herz gehen

Wenn sich das Universum und der ganze Rest mit Mathematik berechnen lässt, dann muss das doch auch für Liebe möglich sein. Sagt sich die Mathematikerin Hannah Fry. Sie sei keine Expertin in Sachen Partnersuche und Partnerschaft, aber mit Zahlen umgehen, das beherrsche sie.

Mathematik ist die Sprache der Natur

Und wie gut, das belegt sie gleich zu Beginn des Buches “The Mathematics of Love” mit einer Berechnung, wie wahrscheinlich es denn sei, den idealen Partner zu finden. Als Berechnungsgrundlage nimmt sie eine Formel ihres Kollegen Peter Backus (“Why I don’t have a girlfriend”), der so vor einigen Jahren belegen wollte, dass es wohl mehr intelligente außerirdische Zivilisationen (etwa 10.000 nach einer Formel von Frank Drake) gäbe als passende Frauen für ihn (nämlich nur 26).

Er verwendet dafür diese Formel:

Liebesformel_1

Allzu viel Optimismus bleibt da nicht. Wer sich überlegt, dass der Ballungsraum Berlin etwas 3,5 Millionen Einwohner zählt, sieht sich rasch alleine durch den Spreewald wandern. Fry hält ihren Kollegen dann auch für übertrieben selbstkritisch und anspruchsvoll. Sie verändert seine Formel und erhält ein Ergebnis, das erfreulicher und vermutlich realistisch ist. (Und jedem zu denken geben sollte, der glaubt, das Angebot an passenden Singles sei unendlich groß!). Übrigens hat Peter Backus, der im Ballungsraum London lebt, kürzlich geheiratet.

Liebesformel_2

Dass Mathematik Spaß bereiten kann, belegt Fry außerdem mit Berechnungen von Flirt-Quoten bis hin zu Ehe-Kombatibilität, denen seriöse Forschungsergebnisse wie die von Professor John Gottman als Grundlage dienen.

Die Berlinerin Christine Rösch hat jedem Kapitel eine ebenso schöne wie intelligente und aufschlussreiche Grafik vorangestellt, die allein schon den Buchkauf wert sind.

Am Ende geht es Hannah Fry weniger um die Liebe an sich als um ihre Liebe zur Mathematik. Insofern ist “The Mathematics of Love: Patterns, Proofs, and the Search for the Ultimate Equation” doch auch irgendwo romantisch. Interessant und aufschlussreich ist es allemal.

Und die Antwort auf die Frage nach dem Universum und dem ganzen Rest hat uns der brillante Autor Douglas Adams bereits vor Jahrzehnten gegeben: 42. Was wir aus dieser Erkenntnis für unser Leben ziehen, hat er allerdings uns überlassen.

The Mathematics of Love: Patterns, Proofs, and the Search for the Ultimate EquationHannah Fry
"The Mathematics of Love: Patterns, Proofs, and the Search for the Ultimate Equation"
Wer sich nicht an das englische Original wagen möchte: 
eine deutsche Fassung ist für den Jahreswechsel 2015/2016 geplant.

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