Liebe im Schnelldurchlauf

Tag 4:
Dich zu küssen schmeckt wie das größte Abenteuer, das ich je erlebt habe und dabei siehst du aus wie der stille Sonntagmorgen nach einem wilden Sturm.

Tag 5:
Halbzeit. Wir stehen in der Dunkelheit und haben uns nichts mehr zu sagen. Der Regen durchnässt meine Haare. Eine dicke Haarsträhne klebt mir auf der Stirn. Ich beginne zu frösteln. Das einzige, was mich ein bisschen warm hält, sind deine glühend heißen Lippen, die mein Gesicht mit winzig kleinen, behutsamen Küssen bedecken. Ein Kuss auf die Stirn, auf die rechte, dann auf die linke Wange und wieder auf die Stirn. Ein leises Stöhnen entfährt mir. Ich zucke zusammen. “Entschuldigung”, will ich sagen, doch du legst mir deinen rechten Zeigefinger auf die Lippen. “Ist schon okay”, sagst du und ein zweites, leises Stöhnen entfährt mir.

Der kalte Regen ist mittlerweile bis auf meine Unterwäsche durchgedrungen, auch du siehst aus wie ein nasser Hund. Aber ein schöner. Ein sehr schöner. Für einen kurzen Moment stelle ich mir vor, was für eine Hunderasse du wohl sein könntest. Deine braunen großen Augen erinnern mich an die eines Mopses. Doch dein langer, muskulöser Körper, erinnert mich an den einer Dogge oder eines Bernhardiners. Dein unschuldiger Blick erinnert mich manchmal an einen Dackel.

“Hm, wahrscheinlich wärst du ein Mischling”, denke ich und drücke dir einen nassen Kuss auf die Lippen. Dieses Mal stöhnst du. Lange Zeit stehen wir da im Regen und halten uns mit feuchten Küssen warm. Um uns herrscht eine dunkle Stille. “Lass uns gehen”, unterbreche ich die Stille. „Gehen?“, guckst du mich mit deinem Dackelblick an. “Du kleiner Dackel”, schreie ich als du mich auf deinen Rücken schleuderst und mit mir durch den Regen rennst. Wir fangen beide an zu Lachen. Laut.

Tag 6:
Das größte Kuchenstück teilen, unter den Füßen kitzeln und auf die Stirn küssen. Einen Sitzplatz freihalten und einen Luftkuss zuwerfen. Die Tür aufhalten und eine Haarsträhne hinters Ohr klemmen. Bahnfenster mit Herzen beschmieren und Buchstaben auf den Rücken kritzeln. Händchen halten und Tauben füttern. Zum Lachen bringen und Glitzer in die Augen streuen. Durch die Haare streicheln und einen Finger auf die Lippen legen. Ich liebe dich sagen und es auch so meinen.

Tag 7:
“Zählst du eigentlich die Tage?”, frage ich dich und bete im nächsten Moment, dass du die Frage nicht gehört hast. Doch du antwortest bereits mit einem nickenden “Ja”. “Ich auch”, gestehe ich und knabbere auf meiner Unterlippe. “Nur noch drei”, sagen wir beide fast gleichzeitig. Normalerweise müssten wir jetzt beide anfangen zu lachen, aber heute verstummen wir lieber.

Klar wussten wir, dass unsere Zeit ein Ablaufdatum besitzt, aber sollte uns das von irgendetwas abhalten? Ist es nicht manchmal besser, einfach das Bestmögliche zu versuchen? Das Risiko einfach einzugehen? Ich sehe zu dir nach oben und drücke deine Hand ein kleines bisschen fester: “Ich glaube schon.”


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