Heute denke ich nur an mich!

Sie glaubte ernsthaft, dass ich sie verlassen würde, wenn sie mir nicht alles geben könnte, wovon sie ausging, dass ich es brauchte. Sie entschied etwas zu tun, was sie eigentlich gar nicht tun wollte – und hoffte dann darauf, dass ich es bemerke und es ihr in irgendeiner undefinierbaren Art und Weise danke. Nur konnte ich das nicht. Ich wusste nicht, was sie erwartet. Mir fiel auch nicht auf, dass sie es für mich tat. Ich dachte, sie tut es für sich, denn sie sprach nie darüber.

Anderen zu helfen, war immer ihr Ding gewesen. Anderen etwas zu vermitteln, bereitete ihr große Freude. Als ich eines Tages ins Krankenhaus musste, verzichtete sie auf eine Lehrreise, nur um mir die Hand halten zu können. Sie selber entschied sich dazu, weil sie glaubte, dass ich das von ihr erwarte. Sie kam nicht auf die Idee zu fragen, ob es okay für mich wäre, wenn sie das Wochenende so verbringt, wie sie es ursprünglich geplant hatte. An sich ist das ein großer Liebesbeweis, aber der Preis dafür war viel zu hoch. Sie raubte sich ihre Freiheit, nur um mir zu gefallen.

Als sie mir das nach der Trennung erzählte, tat mir das sehr leid. Ich weiß nicht, ob ich mich an ihrer Stelle anders verhalten hätte, aber ich weiß, dass ich es in Zukunft anders handhaben würde. Ich würde mich einfach an die Worte von Marshall & Rosenberg erinnern und meiner Partnerin vermitteln, dass sie unabhängig ist in ihren Entscheidungen, weil auch ich möchte, dass sie glücklich ist. Und wenn sie ihr Glück von meinem Glück abhängig macht, dann bin ich ganz gewiss nicht glücklich. Wenn ich aber sehe, dass sie glücklich ist, dann bin ich es auch, denn Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.

Ich persönlich halte es für unabdingbar, sich auch in einer Beziehung um die eigenen Bedürfnisse zu kümmern. Ich gucke zum Beispiel gerne Fußball und ich will jedes Spiel meiner Lieblingsmannschaft sehen. Und ich sage es jedem, der sich um diese Zeit mit mir treffen will. Es kommt zwar durchaus vor, dass ich verzichte, aber dann nicht, weil ich davon ausgehe, dass jemand es von mir erwartet, sondern weil ich es dann will und aus mir heraus etwas anderes als wichtiger empfinde. Das heißt, ich verzichte bewusst und nicht weil ich glaube, dass ich verzichten sollte. Und falls ich doch unsicher bin, dann frage ich nach.

Ich bin es mir wert, mal an mich zu denken. Ich nehme mir die Freiheit, dies zu tun. Ich mag es, mal nur an mich zu denken, also das zu tun, worauf ich gerade Lust habe. Und ich mag Menschen, die das ebenso tun, denn das ist, was sie wirklich macht.

Heute denke ich an mich. Denn ich bin perfekt und du bist es auch. Mach einfach, wonach dir ist! Und wenn du unsicher bist, dann frage.


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