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Herz oder Hirn? Ist das hier wirklich die Frage?

Als unvereinbar gelten Vernunftehe und Liebesheirat. Markus Ernst fragt, worauf es bei der Partnerwahl ankommt

„Vernunftehe“ – dieser Begriff gehört auf den ersten Blick irgendwie besser in die Politik oder Wirtschaft und passt so überhaupt nicht zu unserer romantischen Vorstellung von Liebe. Für die meisten Menschen ist er stark negativ besetzt und steht für Kompromiss, Nüchternheit und Emotionslosigkeit – alles Aspekte, die wir nicht gerne mit Liebe und Partnerschaft in Verbindung bringen wollen.

Kein Wunder also, dass das Buch „Wie wär’s mit uns beiden“ von S. Wendel und F. Heidrich, welches auf den ersten Blick genau diese Vernunftehe beschreibt und befürwortet, hohe Wellen schlägt und viel Beachtung findet. Gerade in der Liebe, bei der Partnerwahl und ganz besonders dann, wenn man sich zur Eheschließung entscheidet, setzen wir doch eigentlich ein gewisses Maß an Verliebtheit und Gefühl voraus. Wie soll das also funktionieren, dass sich zwei Menschen aus rein rationalen Motiven füreinander entscheiden?

Susanne Wendel_Wie wärs mit uns beiden

Der Autor Sven Hillenkamp („Das Ende der Liebe“) liegt hier meiner Ansicht nach genau richtig, wenn er sagt, dass die Liebe heutzutage durch die Individualisierung der Lebensverhältnisse und die Maximierung der Möglichkeiten bedroht wird: es geht immer noch besser, noch schöner und noch wohlhabender. Die Folge sind viele unglückliche Beziehungen und Scheidungen. Hillenkamp schreibt weiter, sich mit dem Partner zufriedenzugeben, werde angesichts dieses Szenarios aus Multioptionen zunehmend schwieriger.

Sven Hillenkamp_Das Ende der Liebe

Wenn „Vernunftehe“ also heißt, sich wieder mehr an der Realität zu orientieren, den Blick für das Wesentliche zu schärfen und den Zwang zum subjektiven Glück aufzugeben, dann könnte sie ein Erfolgsmodell werden. Gut gefällt mir hier auch die Aussage des Psychologen Arnold Retzer, der das Buch „Lob der Vernunftehe“ geschrieben hat und meint: „Wir müssen uns mehr von der Vernunft leiten lassen und endlich diese unrealistischen Anforderungen an unseren Partner aufgeben. Anstatt sich ständig an der Diskrepanz zwischen dem Ist-Zustand (Was habe ich?) und dem Soll-Zustand (Was will ich?) aufzureiben, rät er, sich mit der „Banalität des Guten“ anzufreunden.

Arnold Retzer_Lob der Vernunftehe

Gemeinsame Werte, ähnliche Lebenspläne und die Wahrnehmung, „an einem Strang zu ziehen“ haben vielleicht auch mit Aspekten zu tun, die wir mit „Verliebtheit“ in Zusammenhang bringen: „sich verstanden fühlen“, „in eine Richtung blicken“, „sich auch ohne viele Worte verstehen“…

Ich mag den Begriff „Vernunftehe“ eigentlich nicht…

Doch wenn damit gemeint ist, zugunsten der wirklich wichtigen Voraussetzungen für eine Partnerschaft auf Unwesentliches verzichten zu lernen, wäre das aus meiner Sicht ein Schritt in die richtige Richtung.

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Über den Autor/die Autorin

Markus Ernst

Der Diplom-Psychologe Markus Ernst führt in Hamburg eine eigene Praxis als Paartherapeut und psychologischer Gutachter. Außerdem ist er als Coach für Parship tätig.