Er sagt nicht „Ich liebe dich“

Für viele sind es die schönsten drei Worte in einer Beziehung. Aber wenn sie fehlen? Pistole auf die Brust oder annehmen? Autorin Bianka Echtermeyer macht sich Gedanken über Liebesbeweise

Liebe wird wertlos, wenn man sie einfordert

Doch einige Monate oder Jahre ohne „Ich liebe dich“? Viele drängen den anderen reflexartig. Aber man muss kein Buddhist sein, um zu wissen, dass das nicht funktioniert. „Anhaftung“ nennen Buddhisten das Phänomen und bezeichnen es als großes Übel. Und ich finde auch, dass eine liebevolle Berührung, eine Entschuldigung, ein Versprechen, guter Sex oder ein „Ich liebe dich“ immer Geschenke sind. Sobald man sie einfordert, werden sie wertlos. Einer meiner Ärzte hatte sich einmal bei mir bitterlich beklagt, dass ich nie lächeln würde. Das tat mir auch leid, aber es hatte trotzdem zur Folge, dass ich weiterhin nicht gelächelt habe. Diesen Sommer musste ich dann wegen einer Verletzung öfter zu ihm und dabei ist mir ein Licht aufgegangen, dass er ein gutes Herz hat. Jetzt strahle ich freiwillig.

Wir dürfen über das sprechen, was uns bedrückt

Aber wenn man nichts einfordern kann, muss der andere zwangsweise leiden? Ich denke, dass Anna ein Recht darauf hatte, mit ihrem Freund darüber zu sprechen, dass sie das Bekenntnis vermisst. Schließlich verweigern sich viele diesen Worten, weil sie im Grunde Angst vor Nähe und Festlegung haben. Aber daran kann man auch gemeinsam arbeiten und zusammen Wege finden, damit beide genug Verbindliches und Trennendes in der Beziehung finden.

Wenn zwei das mitmachen. Verweigert sich der andere, bleibt nur der Blick auf sich selbst: Kann ich ohne ein „Ich liebe dich“ leben? Wenn die Antwort Nein lautet, sollte man besser gehen. So wie Anna es am Ende getan hat.

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