Obwohl es in mir brodelt, sage ich “es ist nichts”

Was heißt das nun? Probleme spreche ich grundsätzlich nicht an. Das verursacht nur noch mehr Gefühle auf Seiten meines Partners, die ich dann ebenfalls verarbeiten muss. Außerdem erfordern die eine adäquate Reaktion. Wie kompliziert! Gleiches gilt für freudige Gedanken. Auch hier muss ich mich auf eine Reaktion meines Partners vorbereiten. Schwierig! Ich weiß ja nicht, wie die aussieht. Im Endeffekt ist es also nur die Angst vor der Ungewissheit, die mich schweigen lässt. Und das stört mich selbst.

Das merke ich vor allem in Streitgesprächen. Wobei sowohl das Wort “Streit”, als auch das Wort “Gespräch” fehl am Platz sind. Ich streite nicht. Ich äußere Verständnis. Abgesehen davon spreche ich kaum. Mein Partner redet. Ich schweige, verkrieche mich in meinem Schneckenhaus. Das geht recht lange “gut”, doch irgendwann sind die Zahnräder in meinem Kopf so heiß gelaufen, dass alle meine Gedanken auf einmal aus mir herausplatzen. Was dann passiert? Ich rede wirres Zeug, aber alle Sätze zusammen ergeben wieder Sinn.

Wie geht man mit Leuten wie mir um? Mit Hartnäckigkeit lässt sich dieses Gefühlschaos nach und nach regulieren. Insofern einem suggeriert wird, dass keine schlimme Reaktion zu befürchten ist. Ich rate allen Partnern von Personen, die selten über ihre Gefühle reden, immer wieder nachzuhaken, was in einem vorgeht. Nicht mit dem Vorschlaghammer, sondern dezent und subtil, um die Spannungen langsam abzubauen. Mit der Zeit wird so die Angst vor dem Ungewissen, aber vor allem das Unverständnis für die Gefühlswelt des Gegenübers weniger. Zu zweit kann dieses Problem – mit etwas Geduld und Zeit – nämlich durchaus gelöst werden.


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