Feministinnen finden alles sexistisch?

In den vergangenen Jahrzehnten fand ein Wandel von offenem Sexismus zu subtileren und versteckteren Formen der Diskriminierung statt, was es manchmal auch so schwierig macht, ihn zu erkennen.

Alltagssexismus ist subtil und wird oft abgestritten

In der Sozialforschung werden verschiedene Sexismusformen näher erläutert und definiert. Die wissenschaftliche Perspektive zeigt, wie real und tiefgehend das Problem ist. Diese verschiedenen Formen könnte man unter dem Begriff Alltagssexismus unwissenschaftlich zusammenfassen. Es folgt eine grobe Zusammenfassung der Sozialforschung zum Thema:

Moderne, subtilere Sexismus-Formen leugnen Diskriminierung und lehnen Maßnahmen ab, die darauf abzielen, Ungleichheit abzubauen, z.B. Quoten. Mit dieser Form des Sexismus werden die bestehenden Ungleichheiten „gerechtfertigt“, denn: Der Status quo wird als fair wahrgenommen und eine Reduktion von Geschlechterungleichheit wird folglich verhindert. Auch Frauen stimmen dieser Ansicht oft zu, obwohl sich diese Arten von Sexismus gegen ihre eigene Gruppe richten. Das liegt daran, dass bereits in der Kindheit sexistische Einstellungen internalisiert werden.

Feindlicher und wohlwollender Sexismus

Feindlicher Sexismus drückt sich in einer negativen Sichtweise auf Frauen aus und folgt der Überzeugung, dass Männer ihren höheren Status verdienen und ist gleichzeitig gekennzeichnet durch die Furcht, diesen Status gegenüber Frauen zu verlieren. Auf dieses Bedrohungserleben folgt die damit einhergehende Abwertung der Bedrohungsquelle „Frau“.

Feindliche Sexisten gehen davon aus, dass Frauen entweder durch feministische Ideologie oder durch das Ausnutzen ihrer sexuellen Attraktivität das Ziel verfolgen, Macht und Kontrolle über Männer zu erlangen. Dieser Sexismus richtet sich aus diesem Grund vor allem gegen nicht-traditionelle Frauentypen wie Feministinnen und Karrierefrauen.

Wohlwollender Sexismus erscheint im Gewand der „Ritterlichkeit“ bzw. des „Kavaliertums“. Er stellt positive Überzeugungen und Verhaltensweisen gegenüber Frauen dar. Ein Beispiel: Ein Mann bietet einer Frau an, eine Aufgabe zu übernehmen, wie den Reifenwechsel an einem Auto, damit sie sich „als Frau nicht damit herumschlagen muss“. Dem liegen bestimmte Überzeugungen zu Grunde nämlich, dass Männer Frauen beschützen und finanziell versorgen müssen. Hinzu kommt die Ansicht, dass Frauen als das „bessere Geschlecht“ gelten. Das drückt sich in „positiven“, aber geschlechterrollenkonformen Zuschreibungen aus: Frauen werden als warmherziger, liebevoller und taktvoller als Männer beschrieben. Die heterosexuelle Intimität, ein romantisch verklärtes Bild von einer Frau als Partnerin, ohne die man kein sinnerfülltes Leben führen kann („Männer sind ohne Frauen unvollkommen und Frauen ebenso“).


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