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Feministinnen finden alles sexistisch?

Sexismus findet man häufiger als man denkt

Anhand einiger Beispiele aus meinem eigenen Leben möchte ich das Problem noch greifbarer machen und zeigen, warum es noch Sexismus gibt. Die Geschichte von meinem Mathelehrer, der meinte, dass ich als Mädchen einfach nicht schlau genug sei für Mathe, habe ich schon in meinem letzten Kolumnentext erzählt. Mir wurde auch schon mehrfach gesagt, dass ich sexuell zu aufgeschlossen und grundsätzlich zu selbstständig wäre, um mit mir eine Beziehung zu führen. Das ist sexistisch, weil dem zugrunde liegt, dass Frauen nicht sexuell aufgeschlossen sein dürfen und unselbstständig sein sollen.

Andere Beispiele aus dem Alltag sind, wenn angenommen wird, dass ich schlecht Auto fahre oder keine Bohrmaschine bedienen kann, weil ich eine Frau bin. Oder wenn ein Arbeitskollege im Sommer mein luftiges Kleid kommentiert oder meint, dass ich meine Tage habe, weil er mich als zickig beschreibt, nur weil ich meine Meinung sage und die ihm nicht passt.

Es sind auch all die ungebetenen Nachrichten auf Instagram, die mit „Du Hübsche“ anfangen und „lass mal ficken“ enden. Es sind die fremden Männer, die im Hochsommer auf der Straße meine Kleidung kommentieren. Es sind die Nachrichten auf Datingapps in denen steht, dass man mich gerne mal „so richtig durchnehmen“ möchte. Aber auch schon, wenn ich in einem Raum voller Männer nie ausreden darf. Wenn mir meine Kompetenz abgesprochen wird, weil ich eine Frau bin. Oder wenn mein männlicher Professor mir sagt, ich solle mich nicht mit so etwas unwichtigem wie Geschlechterungerechtigkeit beschäftigen.

Wie definiert man Sexismus?

Um Sexismus näher zu verstehen und nicht nur auf meine persönlichen Erlebnisse zu schauen, folgen hier zwei Definitionen:

Im Kontext der US-Frauenbewegungen der 1960/1970er in Anlehnung an den Begriff „racism“ eingeführt, bezeichnete der Begriff Sexismus: „Unterdrückung von Frauen aufgrund zugeschriebener Geschlechterrollen und –stereotype und der damit einhergehenden geschlechterspezifischen Arbeitsteilung.“ Der Begriff zielte damit nicht nur auf individuelle Vorurteile und Einstellungen gegenüber Frauen ab, sondern auf institutionalisierte Formen ihrer Unterdrückung und Diskriminierung.

Charlotte Diehl et al.: „Sexismus bezeichnet auf das Geschlecht bezogene Diskriminierung, wird unter dieser Definition in der Gesetzgebung, genauer: im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), berücksichtigt und ist Gegenstand der Sozialforschung. Sexismus zeichnet sich damit insbesondere durch die strukturelle Unterscheidung von Frauen und Männern aufgrund ihres Geschlechts aus. Darunter fallen außerdem geschlechterstereotype, also vorurteilsbehaftete, oft negative Einstellungen, die wiederum zu Erwartungen, Wahrnehmungen, Affekten und Verhaltensweisen führen, die Menschen abwerten und einen ungleichen sozialen Status von Frauen und Männern herstellen oder festigen.“

Wandel von offenem zu versteckterem Sexismus

An diesen zwei Beispielen für allgemeine Definitionen fällt schon auf, dass immer nur von Frauen und Männern gesprochen wird. Es wird also binär gedacht und andere Geschlechter werden nicht berücksichtigt. Das ist natürlich nicht meine persönliche Ansicht und ich möchte daher anmerken, dass – grob gesprochen – sich eine Unterscheidung machen lässt, zwischen Cis-Männern (also Männer deren Geschlechtsidentität dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde) und alle anderen – sprich, nahezu alle Menschen, die keine Cis-Männer sind, sind von Sexismus betroffen.

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Über den Autor/die Autorin

Melina Seiler

Nachdem sie immer wieder von anderen so genannt wurde, bezeichnet sich Melina Seiler jetzt selbst als „Sexfluencerin des Vertrauens“ oder in seriös als sexpositive, intersektionale Feministin, Journalistin, Autorin, Speakerin, Podcasterin und Kolumnistin. Sie schreibt und spricht zu Feminismus (insbesondere zu Sexualität & Schönheitsidealen), LGBTQIA+ sowie zu Diversität und Diskriminierung allgemein. In ihrer Kolumne „Date mit einer Feministin“ schreibt sie für beziehungsweise über Vorurteile und Klischees, die über Feministinnen kursieren und erklärt was es mit dem Feminismus wirklich auf sich hat. Melina hat einen Bachelor of Arts in „Journalismus und Unternehmenskommunikation“. Aktuell absolviert sie ihr letztes Semester im Master „Journalistik und Kommunikationswissenschaft“ an der Uni Hamburg. Ihr Master Arbeit behandelt – wie soll es auch anders sein – die Frage, wie feministisch der Journalismus sein darf oder sogar sein muss. Mehr von Melina kann man in ihren Büchern „Was ich mal sagen wollte“, „LIEBEN & LEIDEN“ und „Kopf. Stein. Pflaster.“ lesen oder in ihrem Podcast „Gedanken einer Sexfluencerin“ hören.