Die hohe Kunst des Verzeihens

Nachsichtig zu sein ist ein Zeichen menschlicher Größe. Es geht nicht darum einen Schuldigen zu finden, sondern einen Fehler eingestehen zu können. Besonders in Partnerschaften sollte es nicht um die Schuldfrage gehen. Zu jedem Problem das im Laufe einer Beziehung auftritt, gehören zwei. Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber „Meine Schuld!“ zu sagen führt in der Liebe zu gar nichts. Und bringt sie auch persönlich nicht weiter. Der Satz geht zudem viel leichter über die Lippen als: „Da habe ich einen Fehler gemacht!“ „Meine Schuld!“ sind nur Wörter, die man dem Partner wie Beruhigungsdrops verabreicht, damit Frieden herrscht. Meist völlig unreflektiert. Ende der Diskussion.

Aber Sie sollen auch sich selbst verzeihen.

Und das können Sie nur, wenn Ihnen bewusst ist, warum Sie gehandelt haben wie Sie eben haben. Wenn Sie Ihren Partner nicht absichtlich verletzen wollen oder wollten – und davon gehe ich aus –, dann basiert all Ihr Tun auf den Erfahrungen, die Sie bis zu diesem Zeitpunkt in Ihrem Leben gesammelt haben. Wenn Sie also einen Fehler gemacht haben, dann werden Sie es zu dem Zeitpunkt nicht besser gewusst haben. Was aber keinesfalls bedeutet, dass Sie zu diesem Zeitpunkt dämlich waren. „Wie konnte ich nur so naiv sein?“ ist ein weiterer gängiger Gedanke in der retrospektiven Betrachtung einer Beziehung. Kehren Sie diese Selbstkritik mal ins Positive um: Naivität bedeutet, den Egoismus anderer Menschen zu unterschätzen.

Und wenn Ihnen die ungesunde, andere Menschen verletzende Form von Egoismus fremd ist, dann finde ich zumindest das eher begrüßenswert! Setzen Sie Ihr Verhalten einfach in die richtigen Relationen.

Für uns Schreiberlinge gibt es den Begriff des ‚Inneren Zensors‘. Das ist die Kritikerstimme in uns, die jeden Satz für nicht gut genug hält. Was letztlich oft zu argen Selbstzweifeln und infolge dessen zur völligen Schreiblähmung führen kann. So ist das mit Ihrem inneren Kritiker auch. Die ständigen Selbstzweifel machen Sie klein und hindern Sie am Leben. Aber auch darum geht es beim Verzeihen können, sich frei zu machen von dem Ballast unschöner Szenen. Aufrecht durchs Leben gehen zu können.

Sie wissen doch: stolpern, Krönchen richten, weiter geht’s!


Weitere interessante Beiträge