Verpassen Sie
keinen Artikel mehr!

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an!

Abonnieren
Unsere Hinweise zur Datenverarbeitung finden Sie hier.
Ich möchte per E-Mail von beziehungsweise (PE Digital GmbH) über aktuelle Artikel rund um die Liebe sowie über Produktangebote informiert werden. Diese Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden. Kontaktadressen entnehmen Sie unseren Datenschutzhinweisen.
Verpassen Sie keinen Artikel mehr!
Unsere Hinweise zur Datenverarbeitung finden Sie hier.

Monika (55) und Jürgen (57): Es kommt wie es kommt

Monika und Jürgen sind seit 35 Jahren ein Paar. Gründe zum Verzweifeln gab es viele, aber beide haben ihre Lebensfreude behalten. Bewundernswert, findet Gastautorin Natalie Prinz

Monika und Jürgen sind nicht nur seit 35 Jahren ein Paar, sondern auch seit 35 Jahren verheiratet. Genau genommen haben sie sich vom Tag des Kennenlernens bis zur Hochzeit an exakt 55 Tagen gesehen. Davon waren 30 Tage Urlaub. Und natürlich eine Menge sehr lange, sehr teure Telefonate.

Zwischen der Turbo-Hochzeit Anfang der Achtziger und heute liegen: Eine Multiple-Sklerose-Diagnose, eine extrem schwierige Pubertät und ein Herzinfarkt. Aber von vorne …

Silvester 1980 in Düsseldorf. Eine Gruppe junger Menschen um die 20 kam zusammen, um gemeinsam ins neue Jahr zu feiern. Darunter Monika mit ihrer Freundin, die zu dem Zeitpunkt mit Jürgens Bruder zusammen und Jürgen, der schon in Berlin lebte und nur zu Besuch in seiner Heimatstadt war. Sind sie sich sofort aufgefallen? „Er mir schon. Jürgen ist ja auch groß. Wie ich. Aber da waren so viele Leute und man hat immer hier und da geguckt und geredet. Jürgen vor allem mit den Frauen“, platzt es aus Monika heraus. Jürgen schmunzelt. „Aber dann hat er mich im Ernst irgendwann gefragt ob ich seine Fotosammlung sehen will“, erzählt sie lachend weiter. Jürgen war damals bereits passionierter Hobby-Fotograf. Die Fotos waren gut und die Küsse noch besser. Seit dieser Nacht sind sie ein Paar.

Ein silberner Ring Marke Kaugummiautomat

Jürgen machte sich trotzdem wieder zurück auf den Weg nach West-Berlin. „Für mich war das absurd. Ich wollte mir eine Freundin in Berlin suchen.“ Jürgen war zweiundzwanzig und fasste gerade in der EDV – Elektronische Datenverarbeitung, so hieß das 1980 noch – Fuß. Heute arbeitet er erfolgreich als IT-Spezialist.

Wenige Wochen nach der ersten Begegnung haben besagte Freundin und Jürgens Bruder sich in Düsseldorf verlobt, Jürgen kam wieder angeflogen. Im Vorfeld steckte Monikas Freundin ihr: „Der Jürgen hat auch einen Ring dabei …“ Und tatsächlich: Jürgen schob Monika einen silbernen Ring, Marke Kaugummiautomat, an den Finger. Mit den Worten: „Damit Du immer an mich denkst!“ Monika betrachtete sich hiermit als verlobt. Jürgen kam die Erkenntnis erst wesentlich später, nachdem Monika es schon überall hinausposaunt hatte. Aber er fand es gut. Gesehen hatten sich Monika und Jürgen bis dahin de facto noch keine 10 Tage.

Verlobung nach 10 Tagen

Aber es gab ja Telefon. Sie haben Filme zusammen geguckt und dabei übers Festnetz erzählt und erzählt. „Wir hatten jeder so hohe Telefonrechnungen, dafür hätten wir locker Flugtickets kaufen können.“ Monika wohnte noch Zuhause, die Eltern haben das Treiben Kopfschüttelnd beobachtet. „Und dann kam der Sommer und wir sind in den Urlaub gefahren. Camping“, erzählt Jürgen weiter. „Ich empfehle Jedem: Willst Du Deinen Partner wirklich kennen lernen, dann fahrt vier Wochen auf den Campingplatz!“ Monika kannte das schon seit Kindertagen, für Jürgen jedoch war es eine völlig neue Erfahrung. Engster Raum und ständig unter Beobachtung. Da flogen dann schon auch mal die Asterix-Hefte. Geheiratet haben sie im gleichen Jahr trotzdem. Oder gerade deswegen.

Monika ist nach der rheinischen Hochzeit zu Jürgen nach Berlin gezogen. Sie hat einen Job als Verwaltungsangestellte gefunden und 1986 wurde die Tochter geboren, ein Wunschkind. Alles war gut. Man zog in ein Häuschen mit Garten im Berliner Norden, direkt am Wasser, eigenes Boot inklusive. Das Leben plätscherte so dahin.

Dann hat das Schicksal zugeschlagen.

Mit Mitte Dreißig erhielt Monika unerwartet die Diagnose Multiple Sklerose, kurz MS. Von dem Tag an wurde alles anders. Wenig später war die Tochter in der Pubertät. Und das extrem heftig. Diese explosive Mischung hat die Familie fast zerstört. Was die großen Probleme mit der Tochter anging, hatten sie beschlossen, das gemeinsam durchzustehen und sich dafür Hilfe von Außen gesucht. Aber was die Krankheit betraf, war Monika der festen Überzeugung, dass Jürgen sie früher oder später verlassen würde. So hatten sie es ihr alle vorhergesagt in der Selbsthilfegruppe. Es ist ja nicht nur der Körper, der Schaden nimmt bei einer so heimtückischen Krankheit. Für Jürgen aber kam das gar nicht infrage. „Ich hatte darüber nicht einmal ansatzweise nachgedacht. Denn wenn Du anfängst, Dich mit solchen Gedanken zu beschäftigen, dann hast Du schon verloren“, sagt er mit seiner ruhigen Art. Jürgen ist so ein Schubladen-Mensch. Im positiven Sinne. Er holt nur das hervor, was nötig ist, um ein Problem zu lösen. „Bewundernswert“, findet Monika das.

Mindestens genauso bewundernswert ist es, wie Monika mit viel Sport und noch mehr positiven Gedanken sich ihrer Krankheit entgegen stellt. Diese Frau strahlt so viel Energie aus, sie könnte wahrscheinlich auch einen Drachen erlegen. Sportlich sind sie beide. Jürgen raucht nicht, trinkt nicht, ist seit frühester Jugend Vegetarier. Und hatte mit Fünfzig einen Herzinfarkt. Das hat ihn dann doch mal aus der Bahn geworfen. Vor allem psychisch. Seitdem ist er noch gelassener geworden. Sieht alles positiv. Du weisst nie, was kommt.

Haben Sie noch gemeinsame Ziele oder Träume? „Eigentlich nicht. Wir können tun, was wir wollen und haben doch schon alles.“

Vor allem einander.

Verwandte Themen:

Über den Autor/die Autorin

Natalie Prinz Anne Winkler

Natalie Prinz ist seit 25 Jahren freie Autorin für jede Form von Medien. Bekennende Genusssüchtige. Nichts Menschliches ist ihr Fremd. Credo: „Da geht noch was!“. Anne Winkler liebt es, das Leben in Bildern festzuhalten. Latent permanent reisefiebrig zieht es das Berliner Original immer wieder in die weite Welt – die Kamera im Anschlag.