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Jessica (27) und Jason (33): Seelenverwandt

Jessica und Jason lernten sich auf einer Hochzeit kennen. Sie erzählen Gastautorin Natalie Prinz für unsere Reihe Paarweise von Romantik pur beim Sonnenuntergang am Strand

Jessica und Jason sind seit zwei Jahren ein Paar. Sie kommen aus den USA und leben mittlerweile gemeinsam in Brooklyn, New York. Als sie sich kennengelernt haben steckten beide noch in anderen Beziehungen. Während ihrer Europa- und Nordafrikareise haben sie mir ihre romantische Geschichte erzählt.

Vielleicht liegt es daran, dass Jessica und Jason beide europäische Wurzeln haben. Jessicas Familie ist einst von Irland nach Amerika ausgewandert und Jason hatte einen deutschen Großvater. Zwei Menschen, die herzlich lachen, viel von sich preisgeben und sehr interessiert an ihrer Umwelt sind. Zugegeben: Ihre Berufe setzen ein hohes Maß an Grundneugier voraus. Jessica arbeitet zwar derzeit aus finanziellen Gründen in einer Bank, aber eigentlich hat sie ein künstlerische Studium absolviert. Jason ist Psychotherapeut in einer Klinik und arbeitet viel mit Kindern.

Das erste Mal begegnet sind sich Jessica und Jason im Sommer 2012 auf einer Hochzeit in San Francisco. Es war eines dieser Aufeinandertreffen, sagen sie mir, bei denen man das Gefühl hat, einem guten, alten Freund gegenüber zu stehen, den man seit ewigen Zeiten nicht gesehen und dem man viel zu erzählen hat. Die Hochzeit wurde über mehrere Tage gefeiert und an einem der Abende fanden sich Jessica und Jason mit einer Flasche Champagner im Sonnenuntergang am Strand wieder.

Romantisch mit Champagner am Strand

„Das war so romantisch!“, erzählt Jessica mit leuchtenden Augen. „Jason war so interessiert an dem, was ich mache. Ich habe Poetik studiert und schreibe Gedichte. Meistens ernte ich Unverständnis wenn ich davon erzähle. Dann heißt es sehr schnell: Und was machst du sonst so?“ Jason teilt ihre Leidenschaft für Literatur. An dem Abend am Strand kam bei beiden das Gefühl auf: Da ist mehr. Darüber gesprochen haben sie nicht. Was in ihnen vorging waren verbotene Gedanken: „Schließlich steckten wir beide in Partnerschaften“, erklärt Jason. Und dann war da bei beiden auch die Angst: Sieht der andere das überhaupt genauso? Es ist bei Gesprächen, Buchempfehlungen und Champagner geblieben. Am Ende der Feierlichkeiten wurden Email-Adressen und Telefonnummern ausgetauscht, die Wege trennten sich wieder.

Jessica lebte zu dieser Zeit in Montana, einem Bundesstaat im Nordwesten der USA, an der Grenze zu Kanada und Jason in New York. Das liegt in etwa so weit auseinander wie Hamburg und Kairo, rund 3000 km. Und mal abgesehen von der räumlichen Distanz beschäftigte Jessica noch eine weitere Frage: „Ich habe zu der Zeit so ganz anders gelebt als Jason. Ich war ständig in der Natur. Wandern, zelten und Ski fahren in den Rocky Mountains. Und dann war da dieser Junge aus New York. Der ein Großstadtleben führte, wie ich es mir für die Zukunft auch vorstellen konnte. Aber könnte er etwas mit meinem Lebensstil anfangen?“

Eine Entfernung so weit auseinander wie Hamburg und Kairo

Vielleicht hätten sich Jessica und Jason nie wieder gesehen, wenn nicht tragischerweise ein paar Wochen nach der Hochzeit der Vater der Braut gestorben wäre. So traf man sich zur Beerdigung im Herbst in Chicago wieder.

In der Zwischenzeit hatte sich Jessica von ihrem damaligen Freund getrennt. „Das war schon längst fällig. Die Begegnung mit Jason hatte mir gezeigt, dass ich den Schritt endlich gehen muss. Nachdem ich wieder Zuhause war, konnte ich sagen: Ich habe jemanden kennengelernt, aber das ist nicht der Grund“. So weit war Jason damals noch nicht. „Ich wollte mich nicht so schnell trennen, weil ich jemanden Neues kennen gelernt hatte“. Man merkt Jason an, dass er sich die Entscheidung nicht einfach gemacht hat. Das Gefühl des ‚Da ist mehr…‘ schwebte in Chicago wie eine rosa Wolke weiter unausgesprochen über ihnen. Mit einem dicken Ausrufezeichen dahinter. Denn schnell stellten Jessica und Jason fest, dass beide bereits die Lieblingsbücher des anderen gelesen hatten. „Und es ist ein wirklich dickes Buch, von dem ich Jessica erzählt habe“, erzählt Jason lachend (George Eliots ‚Middlemarch‘ – die deutsche Ausgabe hat 1148 Seiten). Das Schicksal verhalf ihnen dann in Form von Hurricane Sandy noch zu ein paar zusätzlichen Tagen in Chicago. Der Mega-Wirbelsturm hatte den kompletten Flugverkehr lahm gelegt.

Es begann als verbotene Liebe. Heute fühlen sich Jessica und Jason seelenverwandt.

Es begann als verbotene Liebe. Heute fühlen sich Jessica und Jason seelenverwandt.

Wieder zurück in New York und Montana begannen Jessica und Jason sich Nachrichten zu senden, ‚texting‘ nennen sie das im Amerikanischen. Keine kurzen SMS, sondern teils sehr lange Nachrichten und das bis zu fünfmal am Tag. Einen ganzen Monat lang. Ausschließlich. Und dann, endlich, hat Jessica sich ein Herz gefasst, Jason angerufen und ihm gesagt, dass sie sich ihn verliebt hatte. Jason war gerade auf dem Weg zu einem Pokerturnier mit Freunden. Das hat er daraufhin sausen lassen. In diesem sehr langen Telefonat, währenddessen Jason ziellos durch die Straßen gelaufen ist, haben sie den Schritt vom ‚texting‘ zu ‚dating‘ gemacht. Endlich war es ausgesprochen. Jason hat sich daraufhin von seiner Freundin getrennt und ist wenig später zu Jessica nach Montana geflogen. Am Flughafen haben sie sich zum ersten mal geküsst.

Jessica: „Mein Hund mochte Dich auch sofort!“
Jason: „Dein Hund mag JEDEN.“

Jessica ist dann zu Jason nach New York gezogen

Monatelang haben sie sich ein ca. 8qm kleines Zimmer in einer WG geteilt. Plus Hund. Das ist selbst für frisch verliebte Paare eine Herausforderung. Zwei Wochen vor ihrer Reise nach Europa sind sie in eine eigene Wohnung in Brooklyn gezogen. Wäre Jessica nicht gewesen, hätte es diese Reise nicht gegeben. Eine ihrer Freundinnen ist nur noch für wenige Wochen in Madrid. Also: Wenn nicht jetzt, wann dann? Jason ist dankbar für Jessicas Impulse. „Ich bin im Gegensatz zu Jessica ein Planer. Ich brauche ewig um alles vorzubereiten, das Für und Wider abzuwägen, den richtigen Moment abzupassen. Ich hätte zwei Jahre gebraucht um diese Reise anzutreten.“ Jessica dagegen hat in der Nacht vor ihrem Abflug noch Petunien in den Vorgarten gepflanzt. Mit Stirnlampe. Gepackt war da noch nichts.

Jason hat schon befürchtet, dass ich die Frage stelle – sorry, aber: Fühlt Jessica sich manchmal von Jason, dem Psychotherapeuten analysiert? Sie muss einen kurzen Moment nachdenken. „Nein. Eigentlich nicht. Manchmal sagt er so Sachen wie: Dein Verhalten passt nicht zu deiner Stimmung, Aber das überhöre ich einfach.“ „Und wer will schon arbeiten, wenn er nicht auf Arbeit ist?“, wirft Jason ein. Was Jessica dafür manchmal wirklich frustriert, ist, dass man sich mit Jason nicht streiten kann. „Ich will über verschiedene Standpunkte diskutieren. Aber dann sagt Jason meist sehr schnell: OK. Du hast recht! Und damit ist die Diskussion dann auch schon beendet.“ „Ja, aber wenn du doch auch recht hast…“ Daraus könnte sich vielleicht endlich eine richtige Diskussion ergeben. Zeit sich zu verabschieden…

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Über den Autor/die Autorin

Natalie Prinz

Natalie Prinz ist seit 25 Jahren freie Autorin für jede Form von Medien und war in den 90ern unter anderem für den Inhalt einer Staffel "Nur die Liebe zählt" mit Kai Pflaume verantwortlich. Bekennende Genusssüchtige. Nichts Menschliches ist ihr Fremd. Credo: „Da geht noch was!“. Lebt mit ihrer großartigen Tochter in Berlin. Wo sonst? Fotos macht sie auch: www.eyeem.com / [email protected]