Nicht “Mein”, nicht “Dein”, sondern “Wir”

Ein Gastbeitrag von beziehungsweise-Leser Dirk und gleichzeitig ein Liebesbrief an seine Ehefrau.

Es wird hell. Die Sonne kitzelt mich im Gesicht. Langsam wache ich in meinen Bett auf. Es fühlt sich anders an. Was war anders? In mir kommt Panik auf! Ich reiße die Augen weit auf, setze mich blitzschnell hin und blicke mich suchend im Zimmer um. Da liegt sie neben mir. Meine Frau. Sie schläft noch. Jetzt fällt es mir alles ein. Ich streiche ihr liebevoll über den Kopf. Was war passiert? Gestern war unsere Hochzeit. Ein Tag voller Emotionen, Freude und Glück. Ein Tag, der nicht enden sollte. Dieser Tag war der Anfang von Neuem. Obwohl vieles bekannt und vertraut war. Ich weiß, ich klinge wie ein Träumer, aber das bin ich nicht.

Kommst, gehst oder bleibst du?

Obwohl ich mit meiner Frau 14 Jahre zusammen war, bevor wir geheiratet haben, fühlte sich die Beziehung nicht endgültig an. Sie und ich hätten jederzeit gehen können, wenn uns danach gewesen wäre. Wir hatten bis auf unsere gemeinsame wundervolle Tochter keine Verpflichtungen uns gegenüber. Außer unsere Tochter hat uns rechtlich nichts aneinander gebunden.

Dies blieb unbewusst in meinem Kopf. Diese ständige Ungewissheit, ob sie morgen nicht weg sein könnte. Jetzt weiß ich, dass dies nicht passiert wäre, aber es wäre ein mögliches Szenario gewesen. Ich hatte keine Verlustangst. Es war mehr ein Unbehagen, wie die Zukunft aussehen wird.

Seit der Hochzeit schätze ich meine Frau viel mehr als vorher. Sie ist da, sie bleibt und ich weiß, dass es nicht selbstverständlich ist.

Nicht “Mein”, nicht “Dein”, sondern ein “Wir”

Am Anfang sind wir alle Einzelkämpfer in dieser Welt. Oder? Suchen wir nicht alle nach Liebe, Glück und Zufriedenheitt? Diese Suche endet in einer Beziehung zu einem oder mehreren Menschen. Freundschaft, Familie oder die Ehe. Selbst deine Sportkameraden können dir eine Art Beziehung bieten. Der Mensch ist nicht dazu geschaffen alleine zu sein.

Zahlreiche Studien belegen, dass alleine sein bzw. sich alleine fühlen, krank und unglücklich macht. Alleine sein kann irre machen. Das Schöne an einem “Wir” ist, dass man sich alles teilen kann. Glück, Freude, Schmerz, Verantwortung und Liebe.

Eine Familie werden ist nicht schwer – eine zu sein dagegen sehr

Meine Frau und ich sind seit der Heirat vor dem Gesetz aneinander gebunden und für einander verantwortlich. Wir haben ab jetzt das Recht und die Pflicht für den anderen einzustehen, Angelegenheiten zu regeln, den anderen zu vertreten und für einander zu sorgen, wenn es ihm schlecht geht. Ich bin dankbar für diese Verantwortung in dem Wissen an, dass sie nicht selbstverständlich ist.

Obwohl wir uns dafür entschieden haben, nicht den gleichen Nachnamen zu tragen, werden wir seither im Außen als Familie wahrgenommen und als diese angesprochen. Das stärkt unseren Zusammenhalt enorm. Wir waren vorher ein Team, aber jetzt sind wir eine Einheit.

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