Ich wohne gerne allein. Meistens

Ich lebe in einer fast grenzenlosen Freiheit

Nur, soweit muss ich ehrlich sein, fühlt sich diese grenzenlose Freiheit an manchen Tagen an wie Einsamkeit und liegt bleiern auf mir.

Wenn ich zum Beispiel mit zwei Pärchen ins Kino gehe und der Gehweg nicht breit genug ist, dass drei Menschen nebeneinander gehen können. Wenn ich mich entscheiden muss, ob ich vor den beiden Pärchen laufe, oder dahinter. Dann kann es passieren, dass ich mich, sobald ich mich in mein Bett lege, einsam fühle. Oder wenn ich auf einer Party bin, die von Pärchen dominiert wird. Wenn ich mich irgendwo dazustellen muss, um nicht aufzufallen. Dann fühle ich mich auch einsam.

Oder wenn ich nach dem Training aus der Dusche steige und ich höre, wie sich der Vater in der Wohnung über mir freut, weil sein kleines Kind die ersten Schritte macht. Dann stehe ich in meinem Wohnzimmer und starre ein paar Sekunden vor mich hin. Frage mich, ob die große Freiheit und die große Einsamkeit nicht doch ein und dasselbe sind und sich bloß aufgrund des Blickwinkels voneinander unterscheiden. Dann setze ich einen gezielten, harten Hieb an meinen Sandsack, um den Schmerz zu spüren und falle kurz in mich zusammen.

Während ich in Gedanken versunken bin, klingelt mein Festnetztelefon. Es ist Julia, die mir erzählt, dass sie sich gerade von Marc getrennt hätte. Fast gleichzeitig erhalte ich von Marc eine Nachricht mit der Frage, ob er heute meine Couch in Anspruch nehmen dürfte. Und während ich ein paar Minuten später meine Couch überziehe, bin ich sehr froh, nicht in Marcs Haut zu stecken, der die nächsten Tage vor allem leiden wird.

Dann streife ich fast liebevoll an meinem Sandsack entlang, versuche, ihn wieder auszubeulen und freue mich, so zu wohnen, wie ich es will.

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P.S.: Tipp- und Grammatikfehler korrigieren wir für Sie mit größter Sorgfalt. Größere Veränderungen werden wir aber natürlich nur nach vorheriger Absprache mit Ihnen vornehmen. Mit der Veröffentlichung des Beitrags stimmen Sie unserer Autorenvereinbarung zu.


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