Ich war nicht die Einzige für dich

Im Nachhinein hätte es mir auffallen müssen, dass das alles zu gut war, um wahr zu sein. Du hast mich von zu Hause abgeholt, das hat vorher noch keiner für mich gemacht. Ich hatte im Auto das Gefühl, dass wir uns eigentlich schon Ewigkeiten kennen. Wir sind in die coolste und schönste Bar in meiner Stadt gegangen. Danach als Überraschung für mich ins Kino. So ein richtiger Mädchenfilm. Du hast alles organisiert. Es ist und bleibt bestimmt auch eine lange Zeit das schönste Date, das ich je hatte.

Und küssen konntest du auch noch. Geht es besser? Dein einziger Minuspunkt: Berlin. Zu weit weg und du wolltest, nein, musst sogar irgendwann wieder dahin zurück. In die Stadt, in der du studiert hast. In die Stadt, in der du eine Wohnung hast, die du weiterhin bezahlst. In die Stadt, in die deine Firma zieht. In die Stadt, in der es so viele andere Frauen gibt.

Ich bin immer noch überzeugt davon, dass es richtig war, dich am ersten Abend nicht mit nach Hause zu nehmen. Du warst etwas Besonderes. Das wollte ich mir aufheben. Wir trafen uns am nächsten Tag schon wieder und sogar Fußball schauen war schön mit dir. Du schliefst bei mir und fuhrst am nächsten Tag von mir aus zur Arbeit. Daran hätte ich mich gewöhnen können. Du hast mir von da an jeden Tag so ein gutes Gefühl gegeben. Ich habe mich sicher gefühlt. Und dann kam es. Warum kann ich aber auch nicht einfach mal glücklich sein? Zufrieden damit, dass du bei mir bist, mir schreibst und MICH “Schönheit” nennst? Nein, ich musste in diesen sozialen Netzwerken nach dir suchen.

Ich weiß immer noch nicht, wie ich auf ihr Profil gekommen bin. Da waren sie. Vier Bilder von einer anderen Frau und dir. Das letzte vor einem Jahr, von ihr geteilt. Auf dem einen Bild stand groß “My Love”. Mir hat es das Herz zerrissen. Selbst beim Schreiben hast du direkt gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt. Aber ich wollte das nicht über ein bescheuertes soziales Netzwerk mit dir klären.

Die ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag habe ich mir versucht einzureden, dass alles bestimmt nicht so schlimm ist, wie ich es mir ausmale. Als du abends bei mir die Haustür reinkamst, mit Blumen und Schokolade, da hatte ich kurz die Hoffnung, dass es für alles eine Erklärung gibt. Eine ganz logische. Du konntest doch nicht so süß und liebevoll zu mir sein, obwohl es da noch eine andere Frau gibt?


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