Ich liebte dich bis ich am Ende war

Eine Woche später war es dann soweit. Es war ein Samstag und ein nicht besonders kalter und regnerischer Tag, wie sonst üblich für den Oktober. Also trafen wir uns auf einen Spaziergang, während dem sich mein leichtes Herzklopfen immer mehr und mehr in ein wildes, unkontrolliertes Pochen verwandelte. Auch ich schien ihm zu gefallen, denn nach unserem ersten Treffen sahen wir uns beinahe regelmäßig, bis wir zu einem Paar wurden.

Als die ersten Krokodilstränen flossen

Ich war ein Beziehungs-Neuling, hatte mit meinen jungen 16 Jahren noch nie etwas gehabt, was man hätte Beziehung nennen können. Vielmehr waren es vorsichtige Berührungen, scheue Küsse und schüchterne Blicke. Ganz im Gegensatz zu ihm. Er war Frauenheld und -versteher zu gleich. Sein erstes Mal hatte er mit 13 und die längste Beziehung, die er bis dato geführt hatte, hielt ganze zwei Jahre.

Auch wenn ich kaum Ahnung von Liebe hatte, bemerkte ich, dass etwas nicht stimmen konnte, in unserer Beziehung. Es waren inzwischen drei Wochen vergangen, drei sehr intensive Wochen, in denen wir uns beinahe jeden Tag sahen, viel unternahmen und es am Ende meistens auf Sex hinausliefen ließen. Doch nun, nach dieser intensiven Zeit, sahen wir uns weniger. Meistens nur an den Wochenenden. Und selbst an denen wurde die Zeit, in der wir uns sahen, immer knapper und knapper. Aus einem Dinner-Date beim Italiener und anschließendem Filmabend auf der Couch wurde irgendwann nur noch der Filmabend und irgendwann nur noch der Sex. Ich sprach ihn darauf, doch er betonte immer wieder, dass es in Beziehungen eben unterschiedliche Phasen gebe und diese, in der wir uns gerade befänden, einfach eine dieser sei. Stirnrunzelnd schielte ich zu ihm hoch, doch er strich immer nur mit den Fingerspitzen durch mein Haar und versuchte mein Misstrauen mit einem „ich liebe dich“ zu beruhigen.

Mit den Tagen, die vergingen und dieser Beziehungsphase, die sich immer mehr in die Länge zog, fing ich an, die Fehler bei mir selbst zu suchen. Und wo führt der erste Schritt ein schüchternes, voll pubertierendes, 16-jähriges Mädchen hin? Natürlich, zum Spiegel! Und beim genauen Hinsehen, fand ich den vermeintlichen Fehler. Nein, falsch, nicht einen, ich fand Hunderte. Riesige Krokodilstränen kullerten meine Wangen hinunter und irgendwo aus der Ferne hörte ich noch Stimmen, nackte Füße über die Dielen tanzen, bis ich zusammenbrach.


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